Summery Mind – Color

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„Color“, das neue Album der Alternative-Rock-Band Summery Mind aus Ostwestfalen, ist nicht nur vom Cover her sehr bunt, sondern auch musikalisch. In einer Zeit, in der das elendige Schwarz-Weiß-Denken wieder mehr und mehr um sich greift, ist es schön zu hören, dass wenigstens Teile der Musikszene davon verschont bleiben.

Nach dem noch recht verhaltenen Intro mit dem hoffnungsvollen Titel „Light“, kredenzen Summery Mind uns schon einmal das erste Highlight ihres jüngsten Werkes. „Blue“ verbreitet vom ersten Ton an eine tolle Stimmung, die ihren Höhepunkt in dem großen, poppigen Ohrwurmrefrain findet. Der Spagat zwischen Alternative Rock mit deutlichem Popfeeling gelingt den Musikern und ihrer stimmgewaltigen Frontfrau auf eine ganz wunderbare Art und Weise; die Eingängigkeit ist stets vorhanden, doch manche Ausbrüche verhindern, dass die Musik in eine klebrige Aufdringlichkeit abdriftet. Ein gutes Beispiel für dieses Phänomen ist der Song „Futuremakers“, der sehr aufputschend und damit äußerst livetauglich daher kommt. „Just say no“ ist auch eines meiner persönlichen Highlights, da es einen sehr tollen, sich stetig steigernden Spannungsbogen hat. Richtig ruhig wird es erst mit dem Stück „River“, der dem Hörer eine kurze Verschnaufspause gönnt.

Knackige Gitarren, treibende Rhythmusarbeit und abwechslungsreiche Gesänge erwarten den geneigten Zuhörer auf „Color“. Diese Elemente wurden auf eine spannende Weise miteinander verknüpft; langweilige Routine schleicht sich zu keiner Sekunde ein. Summery Mind ist hier ein modernes und durchweg gutes Album gelungen, dass ich hier nicht nur mit ruhigem Gewissen weiterempfehle, sondern auch sicher selbst noch öfter hören werde.

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Was kreiselt aktuell so…

… in meinem CD-Player?, Part 1

In den letzten Wochen war es auf meinem Blog (aus Gründen! ;)) ziemlich ruhig, was jedoch nicht bedeutet, dass ich in dieser Zeit keine Musik mehr gehört hätte. Deshalb möchte ich an dieser Stelle – bevor ich zukünftig wieder aktuelle Veröffentlichungen vorstellen werde – einige Empfehlungen aussprechen; Musik, die mich in den letzten Monaten begleitet hat, teilweise ältere Alben und teilweise auch Künstler, von denen ich schon lange keine Songs mehr gehört hatte. Ihr werdet feststellen, dass das ein ziemlich buntes Durcheinander ist, jedoch sind Genregrenzen nichts für mich. Was gut ist, wird gehört!

Peter Maffay – Ich will leben (1982)

Peter Maffay war damals der erste Musiker, dessen Lieder ich wirklich bewusst gehört hatte. Dieses Album enthält mit „Eiszeit“ natürlich einen der Maffay-Evergreens schlechthin, jedoch ist auch der Rest durchaus hörenswert. Meine wieder entdeckten Favoriten sind „Hinter der Tür“, „Ihr nicht“ und das melancholische „Ich hab’s nicht gewollt“. Für Freunde von Deutschrock mit deutlichen Country-Einflüssen definitiv eine große Empfehlung.

Unheilig – Große Freiheit (2010)

Für mich ist „Große Freiheit“ der Einstieg in die dunkle, härtere Musik gewesen, auch wenn mit diesem Album die Ausverkauf-Rufe ja schon laut wurden. Nachdem ich die Unheilig-Discografie rauf und runter gehört habe, stand für mich schon immer fest, dass dieses Album wohl das vielfältigste (bunteste!) Werk der Band ist. Harte Kracher, wie „Seenot“ stehen neben weichen Popballaden, wie „Unter deiner Flagge“. Diese Mischung hatten die Alben danach auch noch, allerdings wirkt sie hier noch ausgewogener. Erwähnen muss  man natürlich den Hit „Geboren um zu leben“, der für mich persönlich allerdings nicht wirklich langlebig ist. Der etwas düsterere Balladen-Kollege „Halt mich“ ist da, meiner Meinung nach, um längen besser.

Gallhammer – Ill Innocence (2007)

Die genialste japanische Girl Group überhaupt! 😉 Die, leider inzwischen aufgelöste, Extreme-Metal-Band mixten in ihren Songs Elemente aus dem Black, Doom und Thrash Metal zu einem dreckigen Gebräu zusammen, der mich beim ersten Hören sofort in seinen Bann zog. Der Song „Blind my eyes“ ist mein absoluter Favorit, nicht nur auf diesem Album der drei Damen, sondern generell aus ihrem Werk. Das Riff ist sehr eingängig und der abwechslungsreiche Gesang, den die drei Frauen sich teilen, trägt sein übriges zu einem Stück bei, das immer wieder Spaß macht. „Ill Innocence“ kann man jedoch, abgesehen von diesem Song, aufgrund seiner unterschiedlichen Einflüsse gut am Stück durchhören.

Christopher Young – Hellraiser Soundtrack (1987)

Den Schlusspunkt bildet heute der Soundtrack zu Clive Barkers Film „Hellraiser“. Filmsoundtracks höre ich immer gern während des Schreibens, doch diese Musik ließ mich immer wieder aufhorchen. Das einprägsame Hauptthema und die unglaubliche emotionale Tiefe dieser Stücke lassen den Soundtrack auch gut ohne die Bilder funktionieren. By the way; der Film ist auch klasse 🙂

 

Und? Was kreiselt bei euch zur Zeit so?

 

Makthaverskan – Demands/Onkel

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Makthaverskan auf Bandcamp

Tollen schwedischen Dream-Pop präsentiert die Gruppe Makthaverskan aus Göteborg. Hallige Gitarren, treibende Drums und eine leicht entrückte Frauenstimme bestimmen das Klangbild, welches Melancholie und Fernweh empfinden lässt. Auf der vor kurzem veröffentlichten Doppel-Single „Demands/Onkel“ befinden sich zwei qualitativ ähnlich hochwertige Stücke, die aus der Produktionsphase des 2017er-Albums „III“ stammen, jedoch nicht nach ausrangierter, zweitklassiger Ware klingen. „Demands“ wird von einer heiteren Gitarrenmelodie eingeleitet und getragen, welche sich sofort im Gehörgang festsetzt und es vermag, einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. „Onkel“ setzt dagegen mehr auf Atmosphäre und ist einer dieser Songs, die man immer wieder gebannt verfolgt, da er eine gelungene Sogwirkung besitzt.

„Demands/Onkel“ ist sowohl digital, als auch auf einer Vinyl-Scheibe zu erstehen. Mich persönlich motivieren die beiden hier vorliegenden Lieder sehr, mich auch mit dem Rest des bereits existenten Material von Makthaverskan zu beschäftigen und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es vielen Anderen genauso geht. Die Musik der Schweden eignet sich sehr gut für Fans von verträumtem Sound, der aber trotzdem eine wohl überlegte und passend eingesetzte Rock-Note hat.

Blutengel – Vampire

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Als Vorbote aus dem nächsten Blutengel-Longplayer „Un:Gott“ wurde vor kurzem die Singleauskopplung unter dem bezeichnenden Titel „Vampire“ auf den Markt gebracht. Diese setzt den eingeschlagenen musikalischen Weg konsequent fort. Kräftige Beats eröffnen den Titelsong, der sich schnell als typisches Tanzflächenstück entpuppt. Der Refrain ist eingängig und der Sound gewohnt bombastisch und mitreißend produziert. Die Clubtauglichkeit wird in dem Remix von Pseudokrupp Project noch weiter in den Vordergrund gestellt, während die Six-Faces-Version etwas rockiger daherkommt. Durch die Wechsel zwischen wohl gesetzter Sparsamkeit und klangvoller Größe finde ich letzteren die wesentlich spannender arrangierte Neu-Interpretation. Den Abschluss dieser Single bildet die Ballade „Auf deinen Wegen“, die sich nahtlos in die Sammlung aus emotionalen, ruhigen Songs, wie „Am Ziel“, „Ein Augenblick“ und „Der Regen fällt“ einreiht. Der verhaltene Beginn steigert sich immer weiter bis zum eindrucksvollen Finale, was zu gefallen weiß.

„Vampire“ vermittelt mir als Vorab-Auskopplung den Eindruck, als müssten die Fans mit einem typischen Blutengel-Album rechnen. Auf den gewohnten überwiegend elektronischen Sound der letzten Alben wird auf gelungene Weise auch bei den beiden neuen Stücken gesetzt, auch, wenn ich hoffe, dass Ulrike Goldmann in Zukunft wieder etwas mehr Einsatz zugeteilt bekommt. Hier steht ihre Stimme leider sehr im Hintergrund. Mastermind Chris Pohl interpretiert zwar auch sehr souverän, allerdings schätze ich bei Blutengel-Alben die Abwechslung. Wir werden sehen, wie die Entwicklung weitergeht, wenn „Un:Gott“ erscheint. Die typischen Trademarks sind jedoch erwartungsgemäß wieder da: Tanzbarkeit, Eingängigkeit und die gewohnte poppige Düsternis.

 

Dead End Future – Obey

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Nach dem 2013 veröffentlichten Debütalbum „Surgical Delusion“ kommt das Death-Metal-Quintett Dead End Future nun mit dem neuen Werk „Obey“ wieder mit ihren Klängen aus der Unterwelt zurück ans Tageslicht. Neun kompromisslose Tracks versammeln sich auf dem Tonträger mit dem scheinbar durch H.P. Lovecraft inspirierten Cover.

Die neuen Stücke haben, das kann man nicht anders sagen, alles, was der geneigte Death-Metal-Hörer sich wünscht. Es herrscht eine brutale Atmosphäre, die durch die dröhnenden Schlagzeug- und Gitarrenmassaker erzeugt wird. Hinzu gesellt sich Sänger Florian Sikora, der mit seinem wirklich kraftvollen Growling dem Ganzen noch den perfekten vokalistischen Anstrich gibt. Wenn er das bei Liveauftritten genauso hinbekommt, sind Konzerte der Kombo sicher ein bleibendes Erlebnis. Die Produktion ist wunderbar ausgewogen und transparent ausgefallen und klingt wirklich amtlich. Die lauten Passagen trommeln schonungslos aus den Boxen und auch die zwar selten auftauchenden, dafür aber sehr geschickt eingewobenen melodischeren Gitarrenläufe kommen gut zum Tragen.

Wirklich herausragende Songs mit Hitpotential hat das Album zwar nicht zu bieten, jedoch macht das Zuhören großen Spaß und man kann sich gut in die authentisch erzeugte Stimmung fallen lassen, die wirklich dicht und fühlbar geworden ist. Death-Metal-Freunden sei „Obey“ hiermit nachdrücklich ans Herz gelegt.

Blue Images – Forgotten Dreams

Blue Images Forgotten Dreams Frontcover

Im letzten Mai veröffentlichten Blue Images ihr Album „Her Light“, dem nun die digitale EP „Forgotten Dreams“ als Ergänzung folgt. Als Aushängeschild wurde der Track „Forgotten“ ausgewählt, eine gute Wahl, wie ich finde, denn dieses hymnische Stück entpuppte sich damals schon als bleibender Ohrwurm. Neben einer Reihe von Remixen und einer deutschen Version des Single-Tracks befinden sich aber auch drei komplett neue Songs auf der EP, die alle stilistisch und qualitativ auch sehr gut auf „Her Light“ hätten Platz finden können. Mal angenehm und verträumt gleitender und mal beattechnisch treibender Synthie-Pop mit eingängigen Melodien bestimmt immer noch das Klangbild, wobei besonders „Dreaming“ mit seinem großen Refrain auffällt und einen positiven Eindruck hinterlässt. Für den Abschluss dieser Veröffentlichung wagte man sich noch an zwei Coverversionen heran. Zum einen wurden „That smiling face“ von Camouflage und zum anderen „Souls“ von Project Pitchfork einer blau schillernden Bearbeitung unterzogen, was jeweils passabel funktioniert hat. Die runden, gelungenen Umsetzungen wissen zu gefallen, auch wenn sie die Fans der Originale wahrscheinlich nicht vom Hocker hauen werden.

Wem das vorangegangene Album bereits gefallen hat, der wird mit den „Forgotten Dreams“ gut bedient sein. Wo andere Bands lediglich Single-Tracks, inklusive ein, zwei Remixen als Auskopplung auf den Markt werfen, bieten Blue Images dem Hörer mit den versammelten 11 Tracks hier wirklich einen großzügigen und schönen Mehrwert für sein Geld.

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Smeltz – Schön ist anders

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Kammersänger Marcus Testory meldet sich mit einem neuen alten Projekt zu Wort. Ende der 1990er-Jahre existierte eine Band namens M.E.L.T., die allerdings lediglich ein Album veröffentlichte, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Nun allerdings haben sich (größtenteils) die damaligen Bandmitglieder wieder zusammengefunden und unter dem Namen Smeltz – eine gewisse Ähnlichkeit in der Benennung ist nicht zu leugnen 😉 – das vorliegende Album „Schön ist anders“ veröffentlicht – ein höchst selbstironischer und definitiv nicht auf die Musik zutreffender Titel.

Im Gegensatz zu Testorys verspieltem Hauptprojekt, dem Alternative-Orchester „Die Kammer“ präsentieren die Musiker dieser Kombo eine geradlinige Rock-Metal-Mischung mit einer gelungenen Verbindung aus bodenständiger Härte und angenehmer Eingängigkeit. E-Gitarren, treibendes Schlagzeug und prägnante Bassläufe bestimmen das Klangbild, genauso wie der kraftvolle Gesang des Frontmanns. Die, einerseits bissig-zynischen anderseits aber auch mal zurückhaltenden, melancholischen Texte singt der gebürtige Österreicher in seiner Muttersprache, was der Musik einen ganz eigenen Charme verleiht. Das würde ich von dem sonst englischsprachig performenden Testory gerne öfter hören. Meine persönlichen Favoriten sind das schwarz-humorige „Die gute alte Zeit“, der perfekt gewählte Rausschmeißer „Wildes Kind“ und „Der Kuss“. Letzteres erinnerte mich irgendwie an einen Song der Vorgängerband, was ich sofort überprüfen musste und tatsächlich: Das Stück scheint doch eine gewisse Verwandtschaft mit „Harrowed man“ von M.E.L.T. zu haben, gerade an der Stelle in der ersten Strophe an der Testory seine Stimme in die Höhe zieht fällt das auf. Sehr schöne Überraschung! 😉

„Schön ist anders“ überzeugt mich auf ganzer Linie mit toller Musik, intelligenten Texten und einer Stimme, die ich sowieso sehr mag, in einem anderen Bandkontext als gewohnt. Ich hoffe doch sehr auf eine Fortsetzung dieses Projekts, dessen Lieder sowohl zum Mitgehen als auch zum Zuhören und Nachdenken auffordern.

Mirexxx – Vault

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Das belgische Elektro-Duo Mirexxx knüpft mit seinem Debütalbum „Vault“ soundtechnisch dort an, wo Bands wie Hocico oder Suicide Commando bereits in den 1990ern begonnen haben. Kühle Synthesizersounds, Oldschool-EBM-Anleihen und verzerrter Gesang, der zwischen treibenden Shoutings und zurückhaltenden Flüsterpassagen pendelt, bestimmen die zehn Tracks. Was Mirexxx von den genannten Vertretern dieser Stilrichtung unterscheidet, ist, dass ihre Musik nicht ganz so aggressiv präsentiert ist; der Gesamtsound bleibt eher weich und animiert nicht wirklich zum Abgehen, sondern doch eher zum abwartenden Zuhören. Diesen klanglichen Unterschied kann man der noch jungen Formation auf jeden Fall als Pluspunkt zuschreiben, denn sich innerhalb dieses Genres abheben zu wollen, ist gar nicht so einfach. Was den Stücken auf „Vault“ in sich jedoch ein bisschen fehlt, ist Abwechslung. Die verbreitete, schon ziemlich gut produzierte, Atmosphäre, bleibt vom Anfang bis zum Ende leider sehr homogen, was leider doch eher dafür sorgt, dass man beim Hören die Aufmerksamkeit nicht durchgängig aufrecht erhalten kann. Hier könnte man durch mehr Tempo- und Soundvariationen vielleicht noch vielfältigere Arrangements erzeugen.

Für ein Debütalbum geht „Vault“ aber völlig in Ordnung. Die beiden Musiker haben sich für ihre Auslegung der elektronischen Musik entschieden; nun bleibt abzuwarten, was sie in den nächsten Jahren daraus machen werden. Wer nach dem Genuss des Albums übrigens noch nicht genug hat, für den gibt es noch die gleichnamige Download-Single mit einigen durchaus gelungenen Remixen des Titelstücks.

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On The Floor – Lifetime

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Das Quartett On The Floor meldete sich im Oktober diesen Jahres mit einem neuen Album zurück. „Lifetime“ atmet den Geist des in den 80er Jahren verwurzelten Dark Waves und Gothic Rocks und transporiert diese nicht tot zu kriegenden Stile ins hier und heute. Und das mit Berechtigung. Die, seit bereits 22 Jahren bestehende Kombo, präsentiert kreative, verspielte Elektronik und vermischt diese mit atmosphärischer, vielschichtiger Gitarrenarbeit. Perlende, eingängige Melodien treffen hierbei auf verzerrte Saitenklänge, die einen eher untermalenden Charakter haben, was den Gesamtsound noch düsterer macht. Hinzu kommt die Stimme des Sängers Helge Jungmann, die sich mit ihrem dunklen Klang harmonisch in die Produktion einfügt, ohne dominant das Ruder an sich zu reißen.

Unter den 12 Stücken, die sich auf „Lifetime“ versammeln, befindet sich auch der ein oder andere Song, der Hitpotential aufweist. Dazu gehören die hymnischen Rockstücke „We light the sky“ und „This time“, die mit eingängigen Refrains und zwingendem Rhythmus die Aufmerksamkeit des Hörers fesseln und auch zur Bewegung animieren können. Mein persönlicher Favorit ist jedoch die ruhigere, tiefmelancholische Perle „Riverborn“, dessen zurückgenommener Charme mich sofort zum Innehalten und aufmerksamen Lauschen brachte. Kleine Anmerkung: Dieses nur knapp dreiminütige Stück hätte ruhig länger sein dürfen.

Aber auch die anderen Songs wissen zu gefallen und bilden insgesamt betrachtet ein rundes und ausgewogenes Gesamtwerk für den Herbst. „Lifetime“ eignet sich sowohl für einen Spaziergang durch die, zu früher Stunde bereits dunkler werdende, Kleinstadt, als auch für melancholisches Schwelgen in den eigenen vier Wänden.

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Six Foot Six – The Six Foot Six Project

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Six Foot Six ist ein neues Projekt des schwedischen Sängers und Gitarristen Kristoffer Göbel, der bereits von Bands wie Falconer, Destiny und Aldaria bekannt ist. Das Album, welches er nun unter dem unmissverständlichen Namen „The Six Foot Six Project“ auf den Markt gebracht hat, bewegt sich stilistisch im melodischen Heavy Metal mit Elementen aus dem Power Metal und hier und da einem leichten Schuss poppigen Rock-Feeling.

Der Opener „Virus inside“ wurde bereits als Appetithappen im Vorfeld veröffentlicht, was eine gute Wahl war, denn dieses Midtempostück vereint bereits die markanten Merkmale, die sich auf dem gesamten Album wiederfinden lassen: mitreißende Gitarrenriffs, verfeinert mit eingängigen Melodien und Soli und der kraftvollen, professionell agierenden Gesangsstimme des Masterminds. Etwas flotter geht es mit „Bleed for mankind“ weiter, bevor in „Falling sparrow“ gekonnt powervolle Choreinsätze in den Refrain eingewoben werden. „Frozen in time“ wiederum ist ein gutes Beispiel für den oben angesprochenen Pop-Rock-Einfluss. Übrigens war dieses Stück nach dem ersten Hören sofort einer meiner Favoriten, genau wie das später folgende „Anomina“. „Pride and glory“ und „Test of time“ gehen rifftechnisch in eine härtere Richtung. Am meisten allerdings überraschte mich das Lied „In defiance“, bei dessen Intro ich kurz die Stirn runzeln musste, bevor mir einfiel, was mich so stutzig machte. „Irgendwo her kenne ich das doch“, dachte ich und behielt begeistert Recht. Six Foot Six covern hier einen Song der englisch-irischen Elektro-Pop-Gruppe VNV Nation und das auf so ungezwungene Weise, dass wahrscheinlich niemand, der das Original nicht kennt, auf den Gedanken kommen könnte, dass es sich hierbei um eine Fremdkomposition handeln könnte. Das Stück fügt sich mit Leichtigkeit nahtlos in den dargebotenen Klangkosmos ein. Den Schlusspunkt bildet die hervorragende Rockballade „Ephemeral“, die eine weite, angenehme Melancholie vermittelt und im Refrain sehr vielschichtig daherkommt.

Jedem Freund von melodischem und nicht zu hartem Metal möchte ich „The Six Foot Six Project“ wärmstens empfehlen. Können trifft hier auf Kreativität, ohrwurmtaugliche Gesangsmelodien auf wohlbedacht ausgearbeitete Instrumentale, die zusätzlich noch durch ihre saubere und druckvolle Produktion erfreuen. Ganz großes Kompliment für dieses Album!

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