Maggies Madness – Pushed to the Limit

Maggies Madness - Pushed To The Limit - Artwork

Maggies Madness, gegründet im Jahr 1974, ist eine Truppe aus Nürnberg, die bereits auf eine erfolgreiche und bewegte Karriere zurückblicken kann. Internationale Plattenverkäufe und Touren, beispielsweise mit den Rock/Heavy-Metal-Größen Accept und Wishbone Ash, zeugen von der hohen Achtung, die man den Musikern entgegenbrachte. Aus beruflichen Gründen pausierte die Band dann, um nun 30 Jahre nach dem letzten Auftritt zum 40-jährigen Jubiläum ein Album mit 13 neuen Songs zu veröffentlichen.

Soweit die Fakten, widmen wir uns nun der Musik. Bereits der Titelsong, mit dem die CD eröffnet wird, zeigt, dass die Herren den harten Rock immer noch im Herzen tragen. Die Riffs sind treibend; der Track repräsentiert durchaus die Energie, die das gesamte Album ausstrahlt. Leider blieb „Pushed to the Limit“ bei mir nicht ganz hängen, was an dem nicht besonders spannenden Chorus liegt. Eingängigkeit allein reicht eben nicht aus. „My universe“ groovt etwas gemächlicher voran und eine, durch das Rockfundament aufblitzende, Hammond-Orgel lockert das Stück ein wenig auf. „From russia with love“ wird mit den Klängen eines Akkordeons eröffnet, was auch noch einmal eine nette Abwechslung darstellt. Melancholisches Gitarrenspiel dominiert die gelungene Rockballade „How can a good thing hurt so bad“; eine Frage, die es wert ist gestellt zu werden. Die Soli sind hier besonders schön in das Lied eingewoben worden und der raue Gesang verhält sich passend zum Text auch etwas ruhiger. Rein persönlich ist das mein Highlight.

Das Album „Pushed to the Limit“ ist ein, nicht durchweg, aber doch gut gelungenes Comeback geworden. Die Songs sind eingängig und abwechslungsreich arrangiert. Hier und da hätte ich mir gewünscht, die besonderen Elemente, wie erwähntes Akkordeon, wären noch etwas dominanter in die Stücke eingebunden und nicht nur in einem Intro verwendet worden. Insgesamt jedoch schadet ein Reinhören definitiv nicht.

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Janiz – Scars and a Lion

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Die Band Janiz entdeckte ich über den Video-Clip zu dem Song „One“, der mir eines Tages mit der Bitte, ihn weiter zu verbreiten, zugeschickte wurde. Das Lied gefiel mir und so suchte ich nach Veröffentlichungen dieser vierköpfigen Truppe und stieß so auf das mir nun vorliegende Album. „Scars and a Lion“ wurde Anfang 2017 veröffentlicht und ist das Debüt von den drei Herren und ihrer Frontfrau.

Der Eröffnungssong „Ground zero“ verwirrte mich erstmal ein wenig, denn ein Rockalbum mit einem eher zurückhaltenden Stück zu eröffnen, entsprach nicht ganz meinen Erwartungen. Die darauffolgenden Lieder, wie „Free at last“, „White flag“ oder eben „One“, beruhigten mich dann wieder, denn die Songs treiben, unterstützt von der Sängerin Juliane Meier, ordentlich voran. Die angenehme, mitreißende Stimme der jungen Frau passt sich ausgezeichnet in die nicht zu harten Pop-Rock-Klänge ein und ist dabei gegenüber den Instrumenten nie zu dominant. Der Gesamtsound des Albums ist auch eher leichterer Natur, aber wir haben es hier ja schließlich auch nicht mit einer Hard-Rock-Kapelle zu tun. Der eingängige Popeinschlag ist stets präsent; nicht nur in den ruhigeren Stücken, wie zum Beipiel einem meiner persönlichen Favoriten „High“.

Wer also auf der Suche nach der Musik einer sympathischen, jungen Band aus dem Pop-Rock-Sektor ist, also nach Klängen, die einem den Tag versüßen können, einem ein Lächeln aufs Gesicht zaubern oder einem sogar das Aufstehen erleichtern, sollte „Scars and a Lion“ eine Chance geben. Ich hab’s ausprobiert 😉

Andromeda Zoo – The Stonewashed EP

Andromeda Zoo - Stonewashed Cover

Nein, dieses Cover gehört nicht zum Album einer Western-Folk-Band, die den Soundtrack zum Goldschürfen liefert, sondern um „The Stonewashed EP“ der Rocker der Band Andromeda Zoo. Das Trio veröffentlichte im letzten Jahr ihr selbstbetiteltes Debütalbum, dessen musikalischer Weg mit den nun vorliegenden drei Songs konsequent weitergeführt wird.

Mit einem sehr groovigen Gitarrenriff startet „The riddle of gold“. Sänger Thomas Sraka legt seine raue Stimme über den sich nun erhebenden trockenen Sound erdigen Rock’n’Rolls und die sich wiederholende Zeile „Wake up!“, die in den eingängigen Refrain überleitet, eignet sich sicher live zur Publikumseinbindung. Auch „Dinghy“ hat dieses unwiderstehliche, mitreißende Etwas, sowohl in der Chorusmelodie, als auch im Rhythmussektor, das nicht unbedingt zum Stillstehen animiert. Den Abschluss bildet „Red scythe magnetism“, das zum Ende hin immer abgedrehter wird, da die drei Musiker ihre Instrumente einen höchst kreativen und im Gegensatz zu den anderen Stücken etwas verfrickelteren Solopart anstimmen lassen.

Eine gelungene Überbrückung zum nächsten Album stellt diese EP auf jeden Fall dar. Es ist faszinierend, was die drei Musiker hier schaffen. Mit den ursprünglichen Mitteln einer Rockband, nämlich Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang, schaffen Andromeda Zoo einen Sound, der angenehm minimalistisch und dadurch sehr auf den Song fokussiert ist, da keine überflüssigen Zusatzarrangements dieses sehr komprimierte Gesamtpaket zerstören. Wer also auf urwüchsige, authentische Rockmusik steht, macht mit Andromeda Zoo nichts verkehrt.

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Eigensinn – Persona Non Grata

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Eine interessante Mischung präsentiert die Band Eigensinn auf ihrem inzwischen dritten Album „Persona Non Grata“. Eher rockige Gitarrenriffs und treibendes Schlagzeugspiel verbinden sich mit einerseits sphärischen und andererseits krachigen, tanzbaren Elektroelementen zu einem Stil, den man am besten wohl als düsteren Industrial-Rock bezeichnet. Hinzu kommt die kraftvolle Stimme der Frontfrau Nemesis, die irgendwo zwischen Märchenhexe und explosiven Protestlauten pendelt.

Eröffnet wird das Album mit dem Stück „Zombie“, das musikalisch gut nach vorn geht und dank der ausgewogenen Produktion der natürlichen und elektronischen Elemente auch fähig ist eine spannende Stimmung zu erzeugen. Nemesis präsentiert sich in den Strophen eher zurückhaltend, was mir nicht so gut gefallen hat, da der Track dadurch unnötig sperrig wird. Der Refrain ist dagegen zwar deutlich stärker, bleibt aber auch nicht wirklich hängen. Lied Nummer 2, der Titelsong, begeistert mich da schon mehr, die Sprachsamples unterstützen diesen peitschenden Protestsong zusätzlich und der Refrain macht Spaß. „Die Waldfee“ ist rein inhaltlich etwas anders aufgebaut. Fast schon in Form eines morbiden Märchens kommt die Lyrik daher und wird in den Strophen sehr passend stimmlich performed. Der Chorus „Hola, die Waldfee!“ ist ziemlich catchy; etwas mehr Worte hätten allerdings nicht geschadet, so wirkt es nach mehrmaligem Hören eher langweilig. Positiv hervorzuheben ist das hymnisch-balladeske Stück „Aurora B“, welches im Gegensatz zu den eher geradlinigen Krachern wesentlich interessanter und facettenreicher daherkommt und das abschließende Klavierstück „Caldera“, das in seinem minimalistischen Gewand überrascht.

„Persona Non Grata“ lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Rein produktionstechnisch sind die Stücke auf sehr hohem Niveau, wogegen die Songs selbst kompositorisch nicht immer Glanzstücke sind. Zu oft werden bekannte Schemata wiederholt und richtig packende Melodien, die auch mit den Texten Hand in Hand funktionieren, sind leider eher selten. Was mich wirklich überzeugt, ist die Stimme von Nemesis, die ein paar äußerst mitreißende Momente erzeugen kann und mir auch von der rauen Stimmfarbe her sehr gut gefällt. Ein Grund für mich, die Band trotz dieses durchschnittlichen, aber soliden Gesamteindrucks weiter zu verfolgen.

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Das Weihnachtsalbum – Winter in der Stadt

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Willkommen in der Vorweihnachtszeit, liebe Leserinnen und Leser!

Heute stelle ich euch ein Album vor, das nicht nur vom Titel her sehr gut in die nun kommende Zeit passt. „Das Weihnachtsalbum“ ist ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Künstler aus dem schönen Sachsen, das 2017 bereits zum dritten Mal ins Rennen geht. Anstatt die klassischen Weihnachtslieder in „neuem“ Gewand zu präsentieren, enthält „Winter in der Stadt“ 13 ganz frische und eigene Stücke. Vollständig im ansprechenden und eingängigen Singer/Songwriter-Stil akustisch interpretiert, hier und da mit ein paar angenehmen Streichereinsätzen verziert und von diversen Sängern und Sängerinnen dargeboten, verbreiten die Lieder eine heimelige Wohnzimmeratmosphäre und passen somit ausgezeichnet ins weihnachtlich geschmückte Zimmer – sowohl als Untermalung als auch zum Verschenken. Durchgängig deutschsprachig erzählen die Texte von den schönen und weniger schönen Dingen, die der Winter mit sich bringt, Kindheitserinnerungen und friedlichem Beisammensein mit den Lieben im Kerzenschein. Diese Mischung überzeugt und ist eine schöne und gefühlvolle Ergänzung zu den etablierten und traditionellen Weihnachtsliedern. Die Besinnlichkeit, die im Vorbereitungsstress im Großstadttrubel oftmals verloren geht, haben die Künstler für uns eingefangen und geben sie uns mit diesem Werk ein klein wenig zurück.

Um nicht nur von Nächstenliebe zu singen, sondern selbst auch einen kleinen Beitrag zu leisten, wählen die Verantwortlichen hinter diesem Projekt jedes Jahr aufs Neue einen wohltätigen Verein aus, dem ein Teil der Einnahmen aus den CD-Verkäufen zugute kommt. In diesem Jahr handelt es sich dabei um den Verein Teddy-Wuensche e.V., der sich um schwer erkrankte Kinder kümmert. Von jedem Kauf gehen 2 Euro an diesen Charity-Partner.

„Weihnachten heißt Nächstenliebe und an andere denken.“, so die offizielle Stellungnahme zum Projekt. Spendenaktionen dieser Art sind gerade in der Weihnachtszeit nichts Seltenes und bei der hohen Menge an Appellen an Menschlichkeit und Nächstenliebe ist eine Abhärtung gegen diese und ein genervtes „Wo soll ich mein hart erarbeitetes Geld denn noch überall abliefern, um nicht als böser, herzloser Mensch zu gelten?“ nur natürlich. In diesem Fall jedoch hat die Künstlergemeinschaft um die Initiatoren eine nur gerechte Win-Win-Situation geschaffen, denn die Kompositionen auf „Winter in der Stadt“ fühlen sich nicht an, wie schnell und leidenschaftslos zusammengewürfelte Reststücke, um eine Aktion zu promoten. Den passenden Musikgeschmack vorausgesetzt kann ich nur sagen: Wer hier zugreift, macht definitiv keinen Fehler.

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Die Initiatoren: Ludwig Schmutzler, Enna Miau und Martin Seidel

 

News zum Projekt

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Die Weihnachtsalben aus den letzten Jahren

 

Vomito Negro – Black Plague

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Die Bezeichnung „Dark Elektro“ hat für mich immer einen bitteren Beigeschmack. Die verwendeteten Stilmittel sind meist inspirationslos zusammengewürfelt, der Gesang ist – soweit vorhanden – meist, scheinbar völlig wahllos, bis zum absoluten Limit mit Effekten zugeballert. Dem ersten Höreindruck folgend könnte man diese Bewertung auch auf das neue Album der Belgier anwenden, doch das würde den Machern Gin Devo und Sven Kadanza nicht gerecht werden.

Im Gegensatz zu vielen jüngeren Projekten aus diesem Genre versuchte man auf „Black Plague“ nämlich für eine gewisse Abwechslung zu sorgen. Die neun Stücke pendeln stimmungsmäßig zwischen rhythmusorientierten, stampfenden Songs und langsameren, fast schon soundscapeartigen Geräuschkulissen, die eine ganz eigene morbide Atmosphäre verbreiten. Alle Tracks vereint ein wunderbarer Oldschoolsound; das Alter, das das Projekt schon erreicht hat, hört man auf eine positive Weise heraus. Die Musiker nutzten zur Produktion viele analoge Instrumente, denen diese Stimmung wohl ebenso zu verdanken ist. Altmodisch zu sein, lohnt sich manchmal eben doch.

Als gute Alternative zum aktuellen BumBum-Elektro, der auch die düstere Synthie-Musik immer mehr für sich einnimmt, eignet sich „Black Plague“ hervorragend. Manche mögen einwenden wollen, dass wir hier nichts bahnbrechend Neues zu hören bekommen, aber nicht jeder Fortschritt ist gut und ein Rückgriff auf alte Mittel ist nicht nur für Nostalgiker der älteren Generation schön.

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Umbra et Imago – Träume, Sex und Tod

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Erschienen im Jahr 1992 ist „Träume, Sex und Tod“ das Debütalbum der berüchtigten deutschen Gothic-Band Umbra et Imago. In einem ganz anderen musikalischen Stil und auch auf anderem produktionstechnischen Niveau bewegten sich Frontmann und Konzeptgeber Mozart und seine Mitmusiker zur damaligen Zeit. Soundgebend waren überwiegend Keyboard- und Synthesizerklänge, die Songs waren länger und auch etwas langsamer und ruhiger, als sie in den Folgejahren wurden. Man merkt den Stücken an, dass sie von Autodidakten erarbeitet worden sind. Ich finde, das macht ihre Besonderheit aus. Auch die Texte stammten auf diesem Erstling noch nicht ausschließlich vom Sänger und behandeln – getreu dem Titel – Träume, Sex und Tod.

„Never“ eröffnet das Album sehr eingängig im Stil einer getragenen Dark-Wave-Nummer mit Popeinschlag. Die Melodie ist ein echter Ohrwurm und Mozart singt mit ungewohnt sanfter Stimme von einer verflossenen Liebe und der folgenden Einsamkeit. „Her sleep“ geht dann in eine experimentellere Richtung; Mozarts teilweise kreischende Stimme wird ziemlich stark verzerrt, was den Track für mich ein wenig anstrengend zu hören macht. In „Rider in the rain“ erzählt der Text fast prosaartig von einem trügerischen und letztendlich unerfüllten Traum und einem einsamen Weg durch die regnerische Nacht, um eben jenem zu entkommen. Mit einem lateinischen Text, mittelalterlich-angehauchten Melodiebögen und sehr hohem Gesang unterbricht „Desiderium“ die eigentliche Stimmung des Albums. „Falling“ hat einen flotten Beat und wird ebenfalls sehr leidenschaftlich von Mozart gesungen. Mit einem sehr langgezogenen Intro beginnt mein persönlicher Lieblingssong auf dieser CD. „Last dream“ ist eine sehr getragene 10-minütige Nummer, bei der sich in die schwebenden Synthesizersounds ein schräger, aber passend eingefügter, Gitarrensound mischt. Gänsehaut verpasst Mozart dem Zuhörer, wenn er im Refrain die Stimme pathetisch in die Höhe reißt. Das ist zwar alles nicht ganz gerade dargeboten, aber es fügt sich, spätestens nach mehrmaligem Hören zu einem sehnsuchtsvoll-schönen Klangteppich. Dem Sexaspekt, der im Albumtitel angeteasert wird, trägt die Band mit dem anschließenden „Erotica“ Rechnung. Eine orgiastisch stöhnende Frauenstimme unterstützt Mozarts Vortrag seines Textes, der damals vielleicht für einen kleinen Skandal sorgte, aus heutiger Sicht jedoch etwas bemüht wirkt. Allerdings muss man Texter Mozart lassen, dass er durch die zwar sehr poetische, aber direkte Wortwahl zumindest stilsicher geblieben ist, ohne zu sehr im Kitscheimer zu landen. Seinen Abschluss findet „Träume, Sex und Tod“ in dem 14-minütigen „Vision“, das im Arrangement sehr facettenreich ist. Der Sound pendelt zwischen minimal-elektronisch untermaltem Gesang und voranpreschendem Gitarrensound, der auf diesem Album ja noch eine echte Seltenheit war.

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Ich bin ein großer Fan dieses Albums. Auf der einen Seite mag ich diese verträumten und schwebenden Keyboardsounds, denen Mozart mit seinem an einigen Stellen deutlich weicheren Gesang harmonisch gegenübersteht. Unterstützend wirken andererseits die wunderschönen schwarz-weiß Fotografien von Dirk Lakomy im Booklett. Im Gegensatz zu vielen Folgealben von Umbra et Imago ist das Artwork noch nicht so sehr auf nackte Frauen und BDSM-Sexpraktiken ausgelegt, was aber wohl auch an der anfänglich noch zurückhaltenden inhaltlichen Ausrichtung lag. (Auch, wenn das Cover anderes zu versprechen scheint.) Für Umbra-Fans ist dieses Album natürlich ein Muss, doch auch Leute, die mit den späteren Alben nichts anfangen können, sollten einmal ein Ohr riskieren. Es ist defintiv anders und auch trotz des Alters von inzwischen 25 Jahren immer noch gut hörbar. Gutgemachte, authentische Musik ist eben zeitlos!

Pale Seas – Stargazing for Beginners

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Draußen wird es kälter und an den dunklen Abenden gibt es nichts besseres als die passende Musik zur Untermalung. Der eine greift zu fröhlicher Musik, um sich den Sommer zurück zu holen und die anderen schwelgen in der düsteren Atmosphäre der Herbst- beziehungsweise Wintermonate. Für letztere Menschen könnte dieses Album hier etwas sein.

Der Opener „Into the night“ gibt ein ruhiges Tempo vor und der Hall der auf dem ganzen Sound liegt, unterstreicht bereits beschriebene Stimmung. Dazu kommt die Stimme des Sängers Jacob Scott, der die Melancholie in den Texten überzeugend herüberbringt und ganz und gar nicht gekünstelt wirkt. Stücke, wie „My own mind“ und „Someday“ sind dann etwas flottere Ausreißer, während „Blood return“ extrem minimalistisch daher kommt. Die sphärischen E-Gitarren, die sonst das Klangbild bestimmen, fehlen hier völlig, stattdessen steht die Stimme fast gänzlich allein im Raum, was für eine angenehme Gänsehaut sorgt. Besonders gut gefällt mir auch das Titelstück „Stargazing for Beginners“, das eines der langsamsten Lieder ist, aber gerade durch die chorartigen Gesänge schon etwas sakrales hat.

Die Band Pale Seas haben mit diesem Album einen perfekten Beitrag zum Soundtrack der diesjährigen dunklen Jahreszeit geschaffen. Trotz des deutlichen 80er-Einschlages klingen die Songs nicht, wie ein Überbleibsel für Ewiggestrige, sondern sind in ihrer melancholischen Schönheit um einiges zeitloser.

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Hey Ruin – Poly

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Hey Ruin schippern musikalisch irgendwo zwischen deutschsprachigem Punk Rock, Hardcore und Alternative und sie verstehen es gut, diese Stile zu einem vielfältigen Gebräu zu vermischen. Der eingängige Gitarrenrock, der hierbei entsteht wechselt zwischen angenehmen Melodien, die stimmungsmäßig immer wieder durch aufgetürmte Soundwände unterbrochen werden. Dieses Auf und Ab hält Frontmann Sebastian mit seinem Gesang, irgendwo zwischen harmonischer Klarstimme und rauherem, aber sehr kontrollierten Schreien zusammen. Rein von der instrumentalen Seite her, gefällt mir „Poly“ insgesamt sehr gut. Womit ich persönlich aber ein wenig Probleme habe, sind die Texte. Die Deutschsprachigkeit freut mich zwar sehr, ebenso, wie der gesellschaftskritische Ansatz und die beobachtende Perspektive auf das aktuelle Weltgeschehen. Es ist jedoch ein schmaler Grad, auf dem die Band balanciert – zwischen relativ verkopft präsentierter Beobachtung und streng erhobenem Zeigefinger. Letzterer schwebt mir bei einigen Liedern etwas zu hoch, was aber auch an der sehr ernsthaften Haltung liegen mag, die die Gruppe einnimmt. Diese erinnert ein bisschen an die sogenannte Hamburger Schule, eine Strömung, die in den 1990ern mit Bands, wie Tocotronic oder Die Sterne den deutschsprachigen Alternativrock abbildeten. Auch bei diesen Gruppen, habe ich beim Lesen und Hören der Texte so meine, oben beschriebenen, Probleme. Trotzdem haben Hey Ruin gegenüber den alten Vertretern einen kleinen Vorsprung, denn ihre Texte sind in der Interpretation doch ein wenig offener gehalten, was den bitteren Beigeschmack bei mir auf langer Strecke allerdings nicht verbessern konnte.

Trotz meiner Kritik an den Texten, die ja sehr subjektiv ist, sehe ich das Potential in dem Album. Besonders auf musikalischer Seite spürt man ein gutes Verständnis für den Klang einer modern produzierten, sich aus verschiedenen Richtungen bedienenden, Rockplatte. Was die Lyrik angeht, empfehle ich, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

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Das Blumenkind

Dieser kleine Text entstand beim Genuss der Instrumentalstücke des Albums „Seelenschmerz“ von Blutengel aus dem Jahr 2001. Klänge schufen Atmosphäre und aus dieser heraus entstanden wiederum Worte. Das funktioniert, wenn man sich fallen lässt und nicht daran denkt, immer den starken, alles kontrollierenden Menschen ausleben zu müssen. Und Stärke misst sich doch allzu oft nur an der Schwäche des Gegenübers…?

ghost-2892905_1920(Bild: pixabay.com)

 

Das Blumenkind


Wir sehen sie am Boden kauern.
Nur umgeben von dem grünen, vom Tau leicht feuchten, Gras
und einigen Schutz und Trost spendenden alten Bäumen.

Aus diesem stillen Erdengrund ragt zu ihrem Schoße eine Blume empor.
Die ganze Nacht hatte sie hier verbracht 
und diese schweigende Schönheit bewacht.
Und insgeheim gehofft, das stumme Gewächs
– ja, diese wunderhübsche, nie gekannte Gefährtin –
würde ihr Schweigen brechen 
und zu ihr sprechen.

Denn vor den Menschen fürchtet sie sich.

Worte brachten es einmal auf den Punkt.
Worte, die sie nie vergessen konnte 

und die sie bei allem, was sie tat, immer wieder einholten.


„Du bringst uns nichts. 
So zerbrechen wir dich, 
weil wir stärker sind.“


Stärke
eine so oft gewünschte Eigenschaft,
von der sie doch nie auch nur ein Stück erlangen konnte.

Oder?



Die Blume liegt gebrochen zu meinen Füßen.
Sie ist verschwunden.