Andy Jones – Shield

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„Shield“ ist das zweite Solo-Album des Rock-Sängers Andy Jones, der bereits in mehreren unterschiedlichen Bands, wie zum Beispiel Ferryman oder Temple of Twilight, musizierte. In den 13 Songs, die sich auf diesem Silberling befinden vermischt der Musiker Einflüsse aus Rock, Pop und Folk. Dabei instrumentiert er seine Arrangements stets angenehm handgemacht, was eine stets warme Atmosphäre ergibt, egal, ob die Stücke ruhigerer Natur oder auch mal etwas treibender sind. Besonders die Streicher stehen bei vielen Stücken als tragendes Element der eher klassischen Rockbesetzung zur Seite. Stimmlich zeigt Jones sich sehr abwechslungsreich und pendelt dabei zwischen einer rauen Rocker-Röhre und einschmeichelndem, bodenständigem Gesang. Diese Natürlichkeit und Authentizität steht dem Gesamtwerk gut zu Gesicht, welches man übrigens sehr gut am Stück genießen kann. Der Spannungsbogen ist stets vorhanden, richtige Ausfälle finden sich gar nicht, ein Ausreißer im Sinne eines echten Hits meiner Ansicht nach allerdings auch nicht. Allerdings ist letzteres keine negative Kritik, rückt diese Empfindung doch das Album als Werk in den Mittelpunkt.

Andy Jones ist mit „Shield“ ein runder und zugleich vielseitiger Wurf gelungen. Handwerklich auf hohem Niveau und mit einer fühlbaren, dichten Atmosphäre im Klang entführt er seine Hörer auf eine verträumte musikalische Entdeckungsreise, die man gerne genießt.

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Sonic Skies – Drifter

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Seit 2012 treiben Sonic Skies aus Hameln ihr Unwesen und präsentieren nun mit „Drifter“ ihr neues Album. Ausgeführt in einer druckvollen Produktion präsentieren sich die Songs, die von starken, treibenden Rhythmen und Gitarrenriffs und dem Brüllgesang des Frontmanns getragen werden.

Anfangs gefiel mir diese Mischung noch, allerdings hielt diese Euphorie nicht lange an. Metalcore ohne Blicke nach links und rechts ist das hier. Die Stücke überzeugen weder mit besonders kreativen Einfällen, noch mit großartigen Überraschungen. Vom Anfang bis zum Ende wird der Härtegrad aufrecht gehalten, was prinzipiell nicht schlimm ist, doch ein wenig mehr Abwechslung dürfte schon sein. Wenn sich mal ein paar ruhige Momente einschleichen, dann sind diese meist nur kurz präsent und wenig beachtenswert.

Versöhnlich muss ich allerdings zugeben, auch nach der Lektüre des offiziellen Pressetextes, dass die Band ihr Ziel erreicht haben. „Kein Zuckerbrot, nur Peitsche“, heißt es da und da ist schon etwas Wahres dran. Allerdings sorgt diese Homogenität dafür, dass das Gesamtwerk doch eher an mir vorbei fliegt, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Dazu fehlt es dem Album an Ecken und Kanten, schlicht gesagt, an Auffälligkeiten.

Fazit: Das Ziel wurde erreicht, für mich ist es jedoch kein überzeugendes Konzept.

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The Keltics – Clansmen

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„Clansmen“ ist das mittlerweile achte Album der Folk-Rocker The Keltics. Erneut verbinden die sieben Musiker die bekannten typischen Folkmelodien mit Rockrhythmen und -gitarren. Diese Mischung ist nun beileibe nichts Neues. Es gab und  gibt immer eine riesige, unübersichtliche Anzahl an Gruppen, die diese Genrerichtung vertreten, sodass eine Unterscheidung zwischen diesen schwierig ist.

Was mich bei The Keltics überzeugt hat, war jedoch der unüberhörbare Spaß, den diese Truppe verbreitet. Die Interpretationen des klassischen Materials reißen in all ihren Facetten mit einer Leichtigkeit mit, sodass man den Finger schon einmal rein vorsorglich auf die Play-Taste legt, um nach dem Verklingen des letzten Tracks sofort wieder von vorn zu beginnen. Am besten gefallen mir das treibende „Long way to the top“, das ruhige „Foggy dew“ und das sich im Verlauf steigernde „The fields of Athenry“. Diese drei Songs zeigen auch die Vielseitigkeit des Gesamtwerks – Langeweile kommt zu keiner Sekunde auf.

Folk-Rock teilt sich für mich immer in zwei Lager. Die einen Gruppen setzen auf eine düstere Stimmung, während die anderen eher muntere Partygruppen sind. The Keltics sorgen mit ihrer Art der Interpretation für gute Laune, was mir aktuell persönlich lieber ist. Für mich ist „Clansmen“ ein durchweg gelungenes Werk, das ich hiermit gerne weiter empfehle.

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Maria Christina & Federico Casagrande – Morning Swim

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Reisen bildet scheinbar nicht nur, sondern macht auch noch äußerst kreativ. Die gebürtige Österreicherin Maria Christina ist weit in der Welt herum gekommen, um nach den Aufenthalten in verschiedenen Ländern dann gemeinsam mit dem Italiener Federico Casagrande dieses nun vorliegende Album aufzunehmen.

Herausgekommen sind zehn Songs, die sich hervorragend als Untermalung eines ruhigen Sommerabends eignen. Ausschließlich mit der meisterhaft gespielten Gitarre als Begleitung erzählt Maria Christina mit ihrer sensibel und sehr einschmeichelnd eingesetzten Stimme ihre Geschichten, eingebettet in einer musikalischen Melange aus Singer-Songwriter-Pop, Jazz und der Atmosphäre eines lauschigen Abends eines Lagerfeuers. Ob zu zweit oder allein – die auf „Morning Swim“ versammelten Lieder laden zum Träumen ein und bilden ein rundes Gesamtkunstwerk, aus dessen Genuss man mit dem Verklingen des letzten Tons erwacht und sich fragt, ob überhaupt Zeit vergangen ist.

Verträumt, entspannend, kurzweilig; das beschreibt dieses Album aus meiner Sicht ziemlich treffend. Zum Abtauchen, hinaus aus dem Alltag in eine ruhige Stimmung, ist „Morning Swim“ ein geeigneter Begleiter.

 

Dillon – This Silence Kills

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„This silence kills, sing for me – fill my heart with anything“

Der kurze Text des Titelsongs beschreibt das Debütalbum der ursprünglich aus Brasilien stammenden Singer/Songwriterin Dillon sehr treffend. Aus der Stille, die die Künstlerin umgibt, entsteht etwas, das sich in den zwölf Titeln dieser CD manifestiert. Es ist eine sehr introvertierte Stimmung, die verbreitet wird; Melancholie und Zerbrechlichkeit sind in den Stücken allgegenwärtig.

Instrumentiert mit Dillons Pianospiel und spannend eingesetzten elektronischen Sounds und Beats baut die Künstlerin gemeinsam mit den Mitproduzenten Tamer Fahri Özgönec und Thies Mynther eine kleine, ganz eigene in sich selbst versunkene Indie-Pop-Welt. Auf das Titelstück folgt das spielerische „Tip Tapping“, welches sowohl inhaltlich als auch musikalisch sehr kindlich daherkommt und im Gegensatz zu den anderen Songs fast schon eine leichtfüßige Note hat. Dieses kindliche Element wird durch Dillons Stimme noch unterstützt. Unschuldig und zugleich etwas rau klingt diese und verbindet damit auf den ersten Blick zwei Gegensätze, was in diesem Rahmen aber ausgezeichnet funktioniert. In „You are my winter“ zeigt die junge Frau dann die Vielseitigkeit ihres Gesangs und singt in höheren Gefilden.

Trotz der angenehmen Zurückgenommenheit in den Arrangements, kommt es doch immer wieder zu überraschenden Brüchen in den Stücken, die teilweise für wahre Gänsehautmomente sorgen, zum Beispiel im Paradebeispiel „Undying need to scream“. Das Album schließt mit „Abrupt clarity“; ein Stück, das sehr auffällig aus dem Gesamtkunstwerk heraussticht. Viel elektronischer und mit Clubbeats ausgestattet ist der Track eine weitere musikalische Überraschung.

Dillons Musik ist etwas ganz eigenes. Verglichen wird sie häufig mit anderen Künstlerinnen wie Björk und Lykke Li, was, meiner Meinung nach, ein wenig hinkt. Björks Werke strahlen – aus meiner Sicht – mehr Künstlichkeit aus und Lykke Li ist doch etwas mehr im angepassteren Pop verhaftet, was übrigens beides nicht negativ gemeint ist. Dillon nimmt jedoch, wenn man den Vergleich unbedingt braucht, vielleicht den Platz zwischen diesen beiden Damen ein. Was sie tut hat einen herrlich unangepassten Charme und genügend Ecken und Kanten, die ich an einem Künstler sehr schätze.

Unplaces – Changes

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„What are changes for…?“

Diesen Monat kam ein Album auf den Markt, dass die Fähigkeit hat, seinen Hörern gewaltig die Sommerstimmung zu verhageln. Wer mich kennt, kommt sicher schnell auf meinen nächsten Gedanken: Das muss nichts negatives heißen! 😉

Im Falle von „Changes“ ist das sogar ein großes Kompliment, denn selten hörte ich ein so konsequentes Gesamtkunstwerk, das auch keine Angst zeigt, sperrig und – auf den ersten Blick – kompliziert zu sein. Die Stimmung, die durch die Songs und auch durch das wunderbare Artwork verbreitet wird, ist durchweg düster, allerdings nicht auf eine gezwungene Art, sondern stets so, dass ich beim Lauschen dachte: „Die meinen das ernst.“ Die Thematik, mit der sich die Gruppe hier auseinandersetzt, hat es auch durchaus in sich. „Changes“ befasst sich mit mit der Frage nach dem Sinn und der Selbstbestimmtheit im Rahmen unserer modernen Zeit. Was ist der Mensch inmitten von Massenmedien, Informationsflut und Konsumzwang? Verursacher oder/und Opfer? Welche Entwicklungen macht die Gesellschaft mit welchen Folgen durch? Und wozu das alles überhaupt? Auf diese Fragen gibt es sicher keine eindeutigen Antworten – wie auch? Aber die freie Art, wie die Texte geschrieben sind, überlässt vieles sowieso dem geneigten Zuhörer, was ich sehr gut finde. Die Verortung des Menschen in der Welt ist schließlich eine höchst individuelle Angelegenheit oder?

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Bereits der Opener „Utopian dream“ nimmt einen durch seine dichte Atmosphäre aus elektronischen, fast schon soundtrackartigen Elementen, dunklen Wave-Rock-Gitarren und dem beeindruckenden Gesang von Frontfrau und Songwriterin Dorette Gonschorek  sofort gefangen. Ehrlich, diese Stimme hat mich schon nach dem ersten Hören umgehauen. Klagend, aber kräftig und dabei aber zu keiner Sekunde gekünstelt und perfekt mit den Klängen der Instrumente harmonierend. „Escape“ führt diese Stimmung nahtlos fort und überrascht mit dem Spiel einer Trompete. Der Titelsong zieht das Tempo nach dem eher schleppenden Einstieg ziemlich an und ist fast schon tanzbar. In diesem Spannungsfeld bewegen sich sämtliche 14 Kompositionen, die von dem Trio spannend arrangiert dargeboten werden. Abwechslung ist vorhanden, häufig auch im Detail, sodass ein konzentriertes Wahrnehmen der Lieder sehr zu empfehlen ist. Mit „Such a shame“ covern Unplaces dann noch ein Stück der Band Talk Talk. Eine sehr gelungene Interpretation, wie ich finde, denn die drei Musiker schafften es, dieser Fremdkomposition genug eigene Persönlichkeit einzuhauchen, sodass sie sich – fast schon unauffällig – perfekt in das Album einpasst.

„Changes“ ist kein einfaches Album geworden, sondern ein großes Kunstwerk, für das man Zeit und Geduld mitbringen muss. Jedoch wird man als offener Hörer reich belohnt, denn Unplaces haben hier etwas geschaffen, das einfach mitreißend ist. Der dichte Klang entführt einen in ein dunkles Kopfkino, jagt einem Schauer über den Rücken und stimmt nachdenklich. Und das ist – aus meiner Sicht – großartig!

Blue Images – Her light

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Blue Images – „blaue Bilder“ – ist ein Name, der in Verbindung mit dem Sound dieses Duos sofort die Phantasie anregt und Welten vor dem inneren Auge des Hörers entstehen lässt. Alles getaucht in ein angenehmes Märchenblau; vielleicht sogar in einer weiten Unterwasserwelt.

So, nun aber Schluss mit den Assoziationen und zu den Fakten. Die beiden Köpfe hinter Blue Images sind die in New York ansässigen Musiker Alex Virlios und Brad Mac, die nun mit „Her light“ ihr Debütalbum vorlegten. Dieses enthält 12 eingängige, fast komplett englischsprachige Stücke, die sich stimmungsmäßig zwischen tanzbaren Songs und ruhigeren Balladen bewegen. Zu einem runden Gesamtpaket verbinden sich die Lieder durch ihren schwebenden Achtzigersound und der angenehm unaufdringlichen Stimme des Sängers Virlios. Dieser wird in zwei Stücken von prominenten Gastsängern unterstützt, nämlich von Jürgen Engler (Die Krupps) und Reagan Jones (Iris). Letzterer passt übrigens ein wenig besser zu dem eher weichen Klang des Albums; Engler ist ja zurecht eher durch die härteren Elektroklänge bekannt geworden.

Für Freunde der atmosphärischen Synthpop-Musik ist „Her light“ sicher zumindest einmal ein Probehören wert. Auch, wenn das ganze natürlich nicht sonderlich neu oder originell klingt, ist das Album eine schöne Ergänzung für das Genre.

Nanook of the North – Nanook of the North

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Nanook of the North ist ein polnisches Projekt, das mit dem selbstbetitelnden Debütalbum vor kurzem den Musikmarkt betrat. Das Cover und der Name verraten schon in etwa, wohin die Reise stimmungsvoll geht. Die 10 Tracks verbreiten eine kühle Atmosphäre, die allerdings nicht durchgängig bedrohlich wirkt. Stattdessen fühlt man sich, wie bei einem langen Gang durch eine weite Winterlandschaft. Mal fällt Schnee und ein kalter Wind weht einem entgegen und mal schaut man verträumt zum Horizont und genießt die kristallklare Luft. Dies sind Bilder und Gefühle, die „Nanook of the North“ zu vermitteln vermag. Die von mir empfundene Weite, sprich die Räumlichkeit im elektronisch erzeugten Klang, wird durch eine gut umgesetzte Sparsamkeit in der musikalischen Ausformulierung erzeugt. Die teilweise eher flächigen Tracks erzeugen eine Sogwirkung, die einen zum Träumen verführt. Gleichzeitig sorgt so manch seltener, aber dafür umso wirkungsvollerer, unerwarteter Bruch für überraschtes Aufhorchen.

Mit ihrem Debütalbum ist Nanook of the North ein rundes Instrumental-Ambient-Werk gelungen. Für mich persönlich teilt sich diese Art von Musik immer in zwei Lager. Das eine ist mehr zum Nebenbeihören gedacht und das andere sollte man lieber konzentriert in sich aufnehmen. „Nanook of the North“ gehört meiner Ansicht nach dem letzteren Bereich an. Gerade durch die wirklich interessanten Flächen und die wohl gesetzten Brüche würde einem beim oberflächlichen Hören einiges entgehen. Um es jederzeit aufzulegen, ist dieses Album somit vielleicht weniger geeignet, sondern eher zum aufmerksamen Genießen und zwar am besten als ganze Einheit am Stück.

Broken Skull – Covered in Silence (Single)

Broken Skull - Covered in Silence - ArtworkSeit heute als Download erhältlich:

„Covered in Silence“, der zweite Vorbote aus dem kommenden Debüt des niedersächsischen Trios Broken Skull. Ein eingängiger, knackiger Track mit charismatischem Gesang und Ohrwurmqualität. Für Fans von düsterem, treibendem Rocksound auf jeden Fall empfehlenswert.

Das Album „Medication erscheint am 20.04.2018 als CD und Download.

 

 

Kreisky – Blitz

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Die aktuelle CD der österreichischen Band Kreisky hat es nun auf meinen Schreibtisch und in meinen Player verschlagen. „Blitz“ nennt sich die ganze Angelegenheit und ist das fünfte Studioalbum der seit 2005 existierenden Indie-Rock-Kombo.

Dieses Album setzt sich aus 10 Liedern zusammen, nach deren Hörgenuss man sich erst einmal wie nach einem akustischen Vergeltungsschlag gegen einfach alles fühlt. In den Texten wird mit einigem abgerechnet. Gleich Im Opener „Bauch Bein Po“ verlässt der Erzähler seine Partnerin, nicht ohne genau aufzuschlüsseln, wie er sich die Gütertrennung denn so vorstellt. In „Ein braves Pferd“ wird erklärt, warum Tiere bedeutend angenehmere Zeitgenossen sind als Menschen und in „Oh nein, die verlieben sich“ gewinnt der Hörer Einsicht in die Gefühlswelt eines zurückgewiesenen „besten Freundes“. Häufig genug wird in der Lyrik aber auch klar; nicht nur die Welt um einen herum besteht aus Idioten, sondern man selbst steht genau betrachtet auch nicht besser da.

Verpackt werden diese oft trivial wirkenden, doch geschickt und hintergründig getexteten, Geschichten in eine Musik, die mit einem leichten Trashcharme daherkommt. An einigen Ecken quietscht und kratzt es gewaltig. Ein glatter Popklang hört sich ganz klar anders an, dies hier ist echte Rockmusik, die auch mal wehtun kann, denn wie in den Lyrics gibt es auch im Spiel der Musiker Platz für raue Ehrlichkeit. Wen das nicht stört und wer darüber hinaus generell etwas für die Wiener Indie-Musik übrig hat, der sollte Kreisky defintiv einmal sein Gehör schenken.

kreisky-2018-ingo-pertramer-1Fotografie: © Ingo Pertramer