Slowtide – A gentle reminder

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Gut Ding will Weile haben, sagt das Sprichwort. Der Mastermind hinter dem Pop-Projekt Slowtide Kevin Werdelmann hat sich diesen Spruch zu Herzen genommen und neun, vor über 15 Jahren in ihren Demoversionen veröffentlichte, Lieder für den vorliegenden Tonträger komplett überarbeitet und neu arrangiert. Der Schmetterling auf dem Cover mag sinnbildlich für diesen Prozess der Verwandlung stehen. Aus neun, mit schlichten Mitteln produzierten Liedern, wurden Tracks, denen allesamt eine angenehme, warme Dichte in den Arrangements, gemein ist.

Los geht es mit „Today“, in welchem flotte Beats mit angenehmen Synthesizerklängen und starkem Gesang zu einem ohrwurmtauglichen Synth-Pop-Stück verbunden wurden. Die darauffolgende Ballade „Soothing light“ beginnt mit einem verhaltenen Arrangement aus Piano, Stimme und leichtem Schlagwerk, bis am Ende orchestrale Elemente das Ruder übernehmen. Als herausragend sei hier übrigens die Gesangsmelodie genannt, die sofort durch das Ohr ins Herz geht. Nach dem ebenfalls ruhigen „The shape of things“ bietet sich dem Hörer die große Überraschung; Kevin Werdelmann kann auch Rock. Dreckige Gitarren (inklusive einem grandiosen 70er-Jahre-Solo) und scheppernde Drums bestimmen das Klangbild von „Get up you’re free“. Der Art der Produktion und der nach wie vor weichen Stimme ist es zu verdanken, dass dieser musikalische Rausreißer zwar auf-, jedoch nicht aus dem Gesamtbild des Albums herausfällt. Ein weiteres Beispiel für ein wirklich gelungenes Arrangement stellt „Safe“ dar, dessen von perlendem E-Gitarren-Spiel dominierten Strophen, von einem großen, sich deutlich abhebenden Refrain abgelöst werden. Für meinen Geschmack hätte die Stimme hier zwar auch gerne etwas mehr abheben und weniger zurückhaltend präsentiert werden können, jedoch trübt das den Eindruck nur minimal. Denn, wie auch die weiteren Songs zeigen, kann das Projekt Slowtide vor allem mit einem punkten: Werdelmann besitzt vor allem ein Händchen für wunderschöne Melodien.

Insgesamt hat Kevin Werdelmann es geschafft seinen alten Stücken einen Glanz zu verleihen, der seinesgleichen sucht. Die Arrangements sind weder überfrachtet, noch zu minimalistisch und kleiden die Kompositionen in das jeweils individuell passende Gewand, was zu einer gelungenen Verbindung verschiedener Einflüsse führt. Diesen musikalischen Schmetterling höre ich doch gerne durch die Wohnung schweben.

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Grausame Töchter – Engel im Rausch

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Grausame Töchter, das Projekt der Künstlerin Aranea Peel, kehrte am 26.10. mit dem neuen Album „Engel im Rausch“ zurück. Für mich persönlich war es eine sehr spannende Veröffentlichung, da der Vorgänger „Vagina Dentata“ mir vor allem musikalisch sehr gut gefallen hat. Dass das neue Werk nahtlos an diesen Stil anknüpft, kann ich nun nach mehrmaligem Hören nicht gerade sagen, jedoch ähnelte bisher kein Album der Grausamen Töchter dem anderen, sodass das allein nichts Schlimmes ist. Trotzdem wird „Engel im Rausch“ seinen Vorgänger nicht von meinem persönlichen Thron des besten Albums dieser Formation schubsen.

Nach der sehr atmosphärischen und überraschend ruhigen Eröffnung, die den Charakter einer Einladung hat, und dem mich wenig überzeugenden, von Sprechgesang dominierten, Stück „Wildes Tier“ kommt mit „Engel im Himmel“ mein erster Favorit. Der Song hat ein wirklich toll gelungenes, ausgewogenes Arrangement, das von den verschiedenartigen Gesängen der Frontfrau getragen wird. Aranea Peels vielseitiger Stimmeinsatz war für mich schon immer das, was mir an ihrer Musik besonders gefallen hat und so ist es auch auf diesem Album. Weitere Glanzmomente sind das konsequente „Wie eine Zecke“, das gleichzeitig eingängige und dunkle „Sternenmädchen“, das kontrastreiche „… und ich fühle nichts“ und der rundeste Song der CD „Nein!“. Diese vier Stücke haben wirklich Hitpotential und bestechen nicht nur musikalische, sondern auch lyrisch. Beim Rest des Albums allerdings tue ich mich leider sehr schwer. Lieder, wie „In deinem Kopf“ und „Atme mich“, greifen den dichten Soundtrackcharakter des Openers wieder auf, schaffen es meiner Ansicht nach aber nicht wirklich den Hörer gefangen zu nehmen. Zu unausgereift und zerhackstückelt erscheinen mir die Arrangements. „Lila Katzen“ ist stimmlich sehr aufgedreht, was als Stilmittel prinzipiell in Ordnung geht, allerdings nervt mich bereits am Anfang der Effekt auf den Vocals. Geschmackssache! „Fickmaschine“ und „Sex in Deutschland“ dagegen sind einfach nur unheimlich platt geraten, sowohl musikalisch als auch textlich belanglos und das auch noch ohne Pointe. Brauche ich persönlich nicht. Sorry.

Mein Gesamteindruck von dem Album ist sehr zwiespältig. Auf der einen Seite schätze ich die experimentelle Verbindung aus verschiedenen Elektrostilen mit Soundtrack- und Dark-Wave-Elementen, die die Grausamen Töchter auf ihren Alben präsentieren. Letztendlich ist es allerdings so, dass mich auf „Engel im Rausch“ das Songmaterial nicht gerade überzeugt. Die Stücke, die ich als positiv bereits hervorgehoben haben, machen für mich dieses Album aus, der Rest geht leider ziemlich an mir vorbei. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass man an einigen Stellen einfach zu viel wollte, wodurch eine gewisse Geradlinigkeit, die bei der Direktheit der Texte zu erwarten wäre, einfach flöten geht.

Am Ende aber möge jeder selbst entscheiden, ob dieses Album den besungenen „Zauber der Nacht“ enthält. Für mich persönlich nicht, aber einige gute Songs konnte ich trotzdem mitnehmen. Bis zum nächsten Mal; bei dieser Formation weiß man eben nie, was man bekommt und vielleicht überzeugt mich die nächste Veröffentlichung ja wieder mehr.

Broken Ego – Avenue to Wonderland

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Broken Ego sind eine Elektro-Rock-Band um den Wiener Sänger Chris Ego, die mit dem vorliegenden Album „Avenue to Wonderland“ ihren zweiten Wurf auf die Hörerschaft loslassen. 12 Songs versammeln sich auf dem Silberling, die allesamt eine angenehme Gute-Laune-Stimmung verbreiten. Die Stücke setzen sich zusammen aus Elementen des Synth-Pop und des Indie-Rock, wobei keine der beiden Seiten jemals wirklich die Führung übernimmt, um damit den jeweils anderen Part zu überstrahlen. Stattdessen ist die Mischung jederzeit bemerkenswert ausgewogen produziert, was die poppige Ausstrahlung nur noch mehr hervorstechen lässt. Auch das Songwriting ist sehr eingängig ausgefallen; Ecken und Kanten sind nicht zu finden. Das klingt jetzt, wenn man meinen Blog ein wenig verfolgt, vielleicht nicht nach einem besonders großen Kompliment, jedoch kann ich vielen Liedern des Albums trotzdem einiges abgewinnen. Der Opener „Electric girl“ zum Beispiel geht gut nach vorn und eignet sich sehr gut, um dem eventuell angestauten Bewegungsdrang nachzugeben. So verhält es sich mit vielen der Songs, sodass ich glaube, dass es sich bei Broken Ego um eine hervorragende Liveband handeln könnte. Die Studioversionen vermitteln zumindest schon einmal ein gutes Gefühl, mit dem man gut Abfeiern und Spaß haben kann. Und an angenehm zu hörender Musik ist ja auch generell nichts auszusetzen oder? 😉

Für Freunde des softeren Synth-Rocks haben Broken Ego mit „Avenue to Wonderland“ ein sehr schönes Album geschaffen. Das Gesamtkunstwerk ist in seiner Erscheinung rund, was übrigens auch das nette Coverartwork mit einschließt, und auch die Stimme ist kraftvoll genug, um die Stücke zu tragen und ihnen Leben einzuhauchen. Insgesamt also eine sehr gelungene Veröffentlichung, die neugierig auf die Weiterentwicklung dieses Projektes macht.

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Ayahuasca – Beneath the mind

Ayahuasca - Beneath The Mind - Front Cover

Wie oft beschwere ich mich in meinen Rezensionen darüber, dass Bands häufig nicht den Mut aufbringen, die Grenzen ihrer Musik auszuloten oder wenigstens mal ein klein wenig innerhalb ihres jeweiligen Genres zu experimentieren. Ich würde niemals auf den Gedanken kommen, ein gutes stilkonformes Album zu verreißen, aber etwas, was ich immer sehr schätze und, bei Vorhandensein, auch überschwänglich lobe, ist ausufernde Kreativität. Für mich ist es daher ein echter Glücksfall, durch Zufall auf die Band Ayahuasca gestoßen zu sein, die gerade ihr Debüt-Album „Beneath the mind“ veröffentlicht hat.

Die Band aus Köln verbindet in ihrer Musik Death Metal der brachialsten Sorte mit weltmusikalischen Elementen und akustischen Instrumentalarrangements. Diese konträre Mischung steht sich dabei nie selbst im Weg, sondern wirkt, im Gegenteil, eher unterstützend der jeweils anderen Seite gegenüber. Die Metalband mit dem kräftigen Growling besitzt einen herrlich ungeschliffenen und nicht zu glatt produzierten Sound, der einen allein schon umhauen würde, doch die weichen Elemente aus akustischer Gitarre, cleanem Gesang und exotischen, tribalartigen Percussions lassen das Endergebnis so vielschichtig werden, dass man sich als Hörer wirklich fallen lassen kann und sollte. Der wirklich toll produzierte Sound macht es dem geneigten Fan solcher Musik aber auch nicht schwer, sich auf die progressiven Songstrukturen einzulassen. Eingängige Leichtigkeit findet man hier eher nicht, jedoch gibt es eine Menge zu entdecken. Gerade in den längeren Stücken (wirklich kurz ist eigentlich nur das vierminütige „Abyss“) sind die Übergänge zwischen einzelnen Parts nicht immer ganz geschmeidig geraten, was die Musik noch kantiger macht, als sie aus der Natur des Songwritings heraus sowieso schon ist. Für mich persönlich ist das zwar ein Pluspunkt, jedoch könnte ich mir vorstellen, dass die Band hier noch weiter an sich arbeiten wird, um die vielseitigen Arrangements etwas runder hinzubekommen.

Wer Abwechlung und Überraschungen sucht, wird bei Ayahuasca reich beschenkt. Besonders beeindruckend ist die Tatsache, dass das hier ein Debütalbum ist. Versuchen manche Bands sich mit ihrem Erstling direkt in eine Nische zu begeben, machen die Kölner gleich von Anfang an klar, dass ihre stilistischen Grenzen deutlich weniger fest gesteckt sind, als die von so manch anderen Death-Metal-Kombos. Gegenüber diesen sind Ayahuasca kreativ und angenehm zerfahren und beweisen Mut zum Experiment – weiter so! 😉

Ayahuasca Band

Karl Neukauf – Hinter Geranien und Gardinen

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Es gibt nicht viele Stimmen, die schon allein so beeindruckend sind, dass man ihnen zuhören muss. Bei Karl Neukauf ist es jedoch genau so. Ich bin mir sicher; wenn er einfach nur Gedichte vorlesen würde, könnte ich ihm genauso gut und konzentriert lauschen, wie ich es beim Genuss seines Albums „Hinter Geranien und Gardinen“ getan habe. Mit seiner tiefen, rauchigen und mit einem natürlichen Volumen ausgestatteten Stimme erzählt der Singer/Songwriter Geschichten aus dem Leben und begibt sich auf eine Reise durch unsere Welt und unsere Zeit. Dabei macht er inhaltlich weder vor den großen und jedem Mitmenschen nur zu gut bekannten Gefühlen Halt, noch vor gesellschaftlichen Problemen, die er auf seine ruhige Art, sehr ernstzunehmend interpretiert, kritisiert. Karl Neukauf spricht eine direkte und ehrliche Sprache und ummantelt seine Lyrik mit musikalischen Elementen aus dem Indie-Pop-Rock mit einigen chansonesken Spuren, wobei er viele der Instrumente auch noch selber spielt. Herausragende Lieder sind der sehr rhythmische Opener „Komm wir gehen an die Elbe“, die melancholische, spärlich instrumentierte Ballade „Sag wo bist du?“ und der wohl politischste Song auf dem Album „Falscher Feind“.

Karl Neukaufs Album bringt einen beim Hören zum Innehalten und Nachdenken. Die handgemachte, warme Atmosphäre, die von der Musik und der Stimme erzeugt wird, legt dafür ein großartiges Fundament, da man sich einfach wohlfühlt. Ich empfehle, sich für dieses Album Zeit zu nehmen, denn bei oberflächlichem Durchzappen entgeht einem eine ganze Menge. Aber ich denke, dass genau dafür „Hinter Geranien und Gardinen“ sowieso nicht gemacht ist.

Dorsetshire – Timemachine

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Anfang der 1990er-Jahre gründeten sich Dorsetshire, die sich von dem gleichnamigen englischen Kreuzer zu ihrem Namen inspirieren ließen, der im Zweiten Weltkrieg wohl den entscheidenden Schuss zur Versenkung der „Bismarck“ abgegeben hatte. Die „Bismarck“ war das damals gerade fertig gestellte neue Schlachtschiff der Deutschen gewesen. Sänger und Mastermind Monaco X äußerte in einem Interview, dass für die Namenswahl ausschlaggend gewesen war, das dieses Ereignis zeigte, wie eine kleine Macht manchmal ausreicht, um etwas zu verändern. Wie ein Untergang auf hoher See wird es manchem Fan wohl auch vorgekommen sein, als die Band 1998 ihre Projekt-Niederlegung bekannt gab. Nun jedoch, 20 Jahre später, kehrt die musikalische Dorsethire wieder zurück.

Auf der Comeback-EP „Timemachine“ versammelte man neben dem Titeltrack, der mit einem tanzbaren Rhythmus und einer eingängigen Melodie daherkommt, hauptsächlich Songs aus den vergangenen Zeiten im neuen Gewand. Der Szene-Hit „Straße der Verdammnis“ und das Stück „Herzschlag“ klingen zeitgemäß, ohne jedoch ihre Herkunft aus dem Dark-Wave/Elektro der 90er zu verleugnen. Durch den moderneren und druckvolleren Sound haben Dorsetshire den Beweis geliefert, dass ihre Songs als solche auch heute noch gut funktionieren. „Straße der Verdammnis (Gefecht)“ präsentiert sich, auch durch den Stimmeffekt, etwas düsterer als das „2018er-Original“ und ist daher ein schöner Bonus, ebenso, wie die Urversion von „Timemachine“. Bei „Vor all den Jahren“ handelt es sich um eine Coverversion der Gruppe Stahlnetz. Das Original stammt aus den 1980ern und wurde von Dorsetshire, wie auch deren eigene Stücke, sehr gelungen in die heutige Zeit transportiert. Nach persönlichem Empfinden gefällt mir die Dorsetshire-Fassung sogar ein klein wenig besser, da der Gesang von Monaco X etwas mehr nach vorn drückt, was den Gesamtsound rauer und härter werden lässt. Dies passt, wie ich finde, gut zu der Thematik des Textes.

Als Lebenszeichen ist „Timemachine“ eine gute Veröffentlichung geworden. Gemeinsam mit den alten Songs aus der Versenkung wieder aufzutauchen, kommt auch möglichen neuen Hörern zugute, da sie sich so einen kleinen Eindruck des bisherigen Schaffens machen können. Nun jedoch heißt es, den Blick nach vorn zu richten und auf völlig neues Material von Dorsetshire gespannt zu sein. Eine schöne Grundlage für einen Neustart haben Monaco X & Co mit dieser EP auf jeden Fall gelegt.

Dyrnwyn – Sic Transit Gloria Mundi

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Die römischen Folk-Metaler Dyrnwyn sind mit ihrem ersten Longplayer am Start. Nach der Demoveröffentlichung „Fatherland“ und der EP „Ad Memoriam“ heißt es nun „Sic Transit Gloria Mundi“; zu deutsch „So vergeht der Ruhm der Welt“. Soweit die Theorie für die alten Lateiner, kommen wir nun zu dem, was hinter diesem bedeutungsschweren Titel steht: die Musik.

Dyrnwyn nutzen atmosphärische Gitarrensounds, die ein Gefühl von weiten Gebirgen und nebligen Feldern verbreiten. Sowohl in den langsamen als auch in den schnelleren Parts bleibt dieses Gefühl erhalten. Aufgelockert wird dieses Metal-Fundament durch die folkloristischen Elemente, wobei bei Dyrnwyn besonders die Flötenklänge dominant sind. Dazu gesellen sich Keyboardflächen, die den cineastischen Charakter der Musik noch zusätzlich stärken, und die Gesänge. Diese pendeln zwischen dem typischen Keifen, gelegentlichen Spoken-Word-Teilen und aufputschenden Schlachtrufen. Mein Lieblingsstück des Albums, nämlich „Parati ad Impetvm“, vereint in seinen fünf Minuten schon viele dieser genannten Stilmittel auf eine sehr ausgewogene und geschickt arrangierte Weise. Auch dies ist ein großer Pluspunkt an der Musik von Dyrnwyn. Wo manch andere Stücke aus dem Genre eher wie klobig gezimmerte Klanggebilde wirken, schaffte man es hier die verschiedenen Teile elegant zu den endgültig veröffentlichten Stücken zu vereinen.

Fans von ähnlich gelagerten Gruppen, wie zum Beispiel Moonsorrow, sollten auch bei Dyrnwyn auf ihre Kosten kommen, denn die Italiener müssen sich mit ihrem Output auf keinen Fall vor den bereits etablierten Kombos verstecken. Die Mischung aus schwerem Metal mit den, mal Leichtigkeit versprühenden und andererseits wieder sehr heroisch daherkommenden, Folkmelodien ist auf „Sic Transit Gloria Mundi“ sehr schön gelungen.

Off The Cross – Era

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Mit dem Cover ihrer neuen EP „Era“ ist den Mitgliedern der belgischen Metalband Off The Cross schon mal ein Blickfang gelungen – ob im positiven oder im negativen Sinne muss jeder selbst entscheiden. Mir persönlich gefällt es sehr gut. Hinter diesem morbiden Bild verbergen sich vier Songs, die mich beim ersten Hören ziemlich überraschten. Bei dieser Veröffentlichung stand Qualität definitv über Quantität, was dazu führte, dass diese knapp 20 Minuten Musik bei mir aktuell rauf und runter laufen.

Off The Cross eröffnen die EP mit „The Goddess“, welches mit einem düsteren Chor beginnt, der schnell von der Metalband abgelöst wird. Der Sänger mischt kräftige Screams und Shouts, die stets präsent genug sind, um den Song zu tragen. Im Mittelteil wird er von der Sängerin Marcela Bovio unterstützt, die stimmlich einen schönen weichen Kontrast bildet. „The Silence“ ist ebenfalls sehr abwechslungsreich. Die Strophen werden zurückhaltend und melodisch interpretiert, während der Refrain temporeich und kraftvoll nach vorn peitscht. Wie bei allen Stücken dieser EP holte man sich auch bei „The Silence“ vokalistische Unterstützung ins Studio, in diesem Fall war es Jonas Renske von Katatonia. Track 3, „The Mist“, ließ mich überrascht aufhorchen, als ich begriff, dass die Melodie von einem Saxophon getragen wird, was überraschend gut funktioniert. Besonders der ruhige Soloteil am Schluss gefällt mir ausnehmend gut. Den Abschluss der EP bildet „The Saviour“, der ein gelungener Rock-Metal-Song geworden ist, in dem auch der Chor wieder einen größeren Anteil hat.

Die Band beweist innerhalb dieser vier Song den Mut zum Ausprobieren. In den Arrangements wird mit den Klängen verschiedener Instrumente experimentiert, es gibt sehr passend vereinte Laut-Leise-Wechsel und trotz all dieser Abwechslung bleiben die Stücke eingängig, was dem guten Songwriting zu verdanken ist. Besonders die Chorusmelodien sind ziemlich catchy. Der Spagat zwischen dem symphonischen Charakter der Produktion und peitschendem Metal wird mit einer scheinbaren Leichtigkeit gehalten. Ich empfehle „Era“ uneingeschränkt jedem Liebhaber der härteren Musik, der die Abwechslung liebt und auch gerne mal beim Musikhören überrascht wird.

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Eisregen – Fegefeuer

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Der Tod aus Thüringen – die Dark-Metal-Band Eisregen – ist zurück und schlägt mit dem neuen Album „Fegefeuer“ gewaltig in die Vollen. Halloween steht vor der Tür und so hätte die Truppe um die beiden Kreativköpfe Michael Roth und Yantit sich kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um ihren deutschsprachigen Horrormetal erneut auf das Volk loszulassen.

Nachdem der Hörer knapp zwei Minuten lang in der „Vorhölle“ vorglühen konnte, legt der Titelsong gleich richtig los. Das bedrohliche Anfangsriff geht schnell in einen temporeichen Song über, der sowohl die Nackenmuskulatur als auch die Stimmbänder ordentlich strapaziert. Das nachfolgende „Knochentorte“ wird dann erstmals mit dem klaren Gesang des Frontmanns Michael Roth bestritten. Dieser zeigt auf dem gesamten Album wieder einmal eine sehr vielseitige Stimmarbeit, mit der er seine morbide, schaurig-schöne Lyrik sehr gut zu transportieren weiß. Weitere Highlights sind der flotte Brecher „Alice im Wundenland“, der mit einem nachhallenden Ohrwurmrefrain ausgestattet ist und das majestätisch-schreitende „Die Bruderschaft des 7. Tages“. Die Arrangements verbinden Härte und eingängige Melodien auf eine sehr stimmungsvolle Art, die dazu fähig ist zu fesseln.  Langeweile kommt zu keiner Sekunde auf und die wirklich starke Produktion drückt sich kraftvoll in die Gehörgänge.

Wer also noch Musik für eine düstermetallische Halloweenparty sucht, der ist mit „Fegefeuer“ äußerst gut beraten. Aber auch jenseits der nächtlichen Feierlichkeiten funktioniert die Musik, zum Beispiel auf einem einsamen Spaziergang an einem dunklen Herbstabend. Ich habe es selbst ausprobiert…

Eisregen2018a_by_Sebastian_Spelda  Foto: Sebastian Spelda

 

 

Tempel Baron – Tempel Baron

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Patrick Weber, dem Mann hinter dem Projekt Tempel Baron, ist es zumindest schon einmal gelungen, seinem musikalischen Baby einen Namen zu geben, der ins Auge fällt, wenn man das Internet nach aktuellen Veröffentlichungen durchsucht. Der Multiinstrumentalist und Songwriter arbeitete in der Vergangenheit mit zahlreichen Bands zusammen, um nun mit diesem Album seinen persönlichen Vorlieben nachzukommen.

Aufgefallen ist mir bereits beim ersten Hören die erstklassige Gitarrenarbeit. Weber verbindet verschiedene Stile dieses Instruments. Der Opener „Unentdecktes Land“ wird beispielsweise im klassischen Singer/Songwriter-Stil von einer akustischen Gitarre getragen, während der Musiker in anderen Stücken auch schon einmal einen dreckigeren, geschrammelten Saitensound einsetzt. Besonders spannend wird sein Spiel, wenn die Melodieläufe sich frech aus dem Hintergrund in den Vordergrund drängen, sodass ein interessantes Wechselspiel zwischen der allgemein entrückten Atmosphäre und der Verspieltheit der Arrangements entsteht. Besagtes entrücktes Element kommt vor allem durch Patrick Webers Gesang zustande, der tatsächlich so klingt, als würde der Künstler mit geschlossenen Augen irgendwo stehen und vor sich hin trällern. Unterstützt wird er stimmlich von einer Dame namens Mrs. Bee, die besonders in „Fermi Paradoxon“ einen gelungene Kontrast bildet. Auch, wenn beide Stimmen sich zu Hintergrundchören auftürmen, entstehen in Verbindung mit dem Gesamtsound stimmungsvolle Klanggebilde. Musikalisch herausstechen tut auf jeden Fall noch das Stück „Lagoon Nebula“, das mit 60er-Jahre-Keyboards und nach Science-Fiction-Soundtracks klingenden Klangspielereien aufwartet. In die so erzeugte, etwas aus der Zeit gefallen wirkenden, Stimmung, passen die verworrenen Texte hervorragend. Diese scheinen eher emotionaler Ausdruck, als klares Statement zu sein, was den schönen Effekt hat, dass man bei Interesse viel individuelle Interpretationsarbeit beim Lauschen leisten kann. Wer das dagegen nicht möchte, kann die Lyrics aber auch gut ignorieren und sich einfach nur an der Musik erfreuen.

Auch, wenn die Songs einzeln betrachtet zum Ende der Platte hin an Originalität im Gesamtwerk verlieren, so ist es Patrick Weber doch gelungen ein klanglich rundes Werk zu erschaffen, dass als Ganzes überzeugen kann. Der Sound erzeugt eine dichte Atmosphäre, in der der Sänger sich augenscheinlich sehr wohl fühlt und zu schwelgen scheint. Dies erhöht das Hörvergnügen immens, da beim Lauschen wirklich tolle Bilder im Kopfkino entstehen.

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