Nanook of the North – Nanook of the North

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Nanook of the North ist ein polnisches Projekt, das mit dem selbstbetitelnden Debütalbum vor kurzem den Musikmarkt betrat. Das Cover und der Name verraten schon in etwa, wohin die Reise stimmungsvoll geht. Die 10 Tracks verbreiten eine kühle Atmosphäre, die allerdings nicht durchgängig bedrohlich wirkt. Stattdessen fühlt man sich, wie bei einem langen Gang durch eine weite Winterlandschaft. Mal fällt Schnee und ein kalter Wind weht einem entgegen und mal schaut man verträumt zum Horizont und genießt die kristallklare Luft. Dies sind Bilder und Gefühle, die „Nanook of the North“ zu vermitteln vermag. Die von mir empfundene Weite, sprich die Räumlichkeit im elektronisch erzeugten Klang, wird durch eine gut umgesetzte Sparsamkeit in der musikalischen Ausformulierung erzeugt. Die teilweise eher flächigen Tracks erzeugen eine Sogwirkung, die einen zum Träumen verführt. Gleichzeitig sorgt so manch seltener, aber dafür umso wirkungsvollerer, unerwarteter Bruch für überraschtes Aufhorchen.

Mit ihrem Debütalbum ist Nanook of the North ein rundes Instrumental-Ambient-Werk gelungen. Für mich persönlich teilt sich diese Art von Musik immer in zwei Lager. Das eine ist mehr zum Nebenbeihören gedacht und das andere sollte man lieber konzentriert in sich aufnehmen. „Nanook of the North“ gehört meiner Ansicht nach dem letzteren Bereich an. Gerade durch die wirklich interessanten Flächen und die wohl gesetzten Brüche würde einem beim oberflächlichen Hören einiges entgehen. Um es jederzeit aufzulegen, ist dieses Album somit vielleicht weniger geeignet, sondern eher zum aufmerksamen Genießen und zwar am besten als ganze Einheit am Stück.

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Broken Skull – Covered in Silence (Single)

Broken Skull - Covered in Silence - ArtworkSeit heute als Download erhältlich:

„Covered in Silence“, der zweite Vorbote aus dem kommenden Debüt des niedersächsischen Trios Broken Skull. Ein eingängiger, knackiger Track mit charismatischem Gesang und Ohrwurmqualität. Für Fans von düsterem, treibendem Rocksound auf jeden Fall empfehlenswert.

Das Album „Medication erscheint am 20.04.2018 als CD und Download.

 

 

Kreisky – Blitz

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Die aktuelle CD der österreichischen Band Kreisky hat es nun auf meinen Schreibtisch und in meinen Player verschlagen. „Blitz“ nennt sich die ganze Angelegenheit und ist das fünfte Studioalbum der seit 2005 existierenden Indie-Rock-Kombo.

Dieses Album setzt sich aus 10 Liedern zusammen, nach deren Hörgenuss man sich erst einmal wie nach einem akustischen Vergeltungsschlag gegen einfach alles fühlt. In den Texten wird mit einigem abgerechnet. Gleich Im Opener „Bauch Bein Po“ verlässt der Erzähler seine Partnerin, nicht ohne genau aufzuschlüsseln, wie er sich die Gütertrennung denn so vorstellt. In „Ein braves Pferd“ wird erklärt, warum Tiere bedeutend angenehmere Zeitgenossen sind als Menschen und in „Oh nein, die verlieben sich“ gewinnt der Hörer Einsicht in die Gefühlswelt eines zurückgewiesenen „besten Freundes“. Häufig genug wird in der Lyrik aber auch klar; nicht nur die Welt um einen herum besteht aus Idioten, sondern man selbst steht genau betrachtet auch nicht besser da.

Verpackt werden diese oft trivial wirkenden, doch geschickt und hintergründig getexteten, Geschichten in eine Musik, die mit einem leichten Trashcharme daherkommt. An einigen Ecken quietscht und kratzt es gewaltig. Ein glatter Popklang hört sich ganz klar anders an, dies hier ist echte Rockmusik, die auch mal wehtun kann, denn wie in den Lyrics gibt es auch im Spiel der Musiker Platz für raue Ehrlichkeit. Wen das nicht stört und wer darüber hinaus generell etwas für die Wiener Indie-Musik übrig hat, der sollte Kreisky defintiv einmal sein Gehör schenken.

kreisky-2018-ingo-pertramer-1Fotografie: © Ingo Pertramer

 

Stormwolf – Howling Wrath

Stormwolf - Howling Wrath - Artwork

Da weht ein kalter Nachtwind aus den Computerboxen, bevor die sechsköpfige Gruppe mit dem bezeichnenden Namen Stormwolf den Metalsound anschmeißt. „Howling Wrath“ heißt dieses Album der Italiener und zorniges Heulen bekommt man – im übertragenden Sinne natürlich – auch zu hören.

Schwierig ist es für Female-Fronted-Metal-Bands immer, in der Masse des Angebotes noch mit Alleinstellungsmerkmalen zu punkten; bei Stormwolf ist dieses jedoch auf jeden Fall die Stimme der Frontfrau Elena Ventura. Mit einem Schuss Blues im Timbre und der allgemein eher dreckigen, rauen Klangfarbe passt sie sich perfekt in den klassischen Heavy-Metal-Sound ein und besteht neben ihm äußerst kraftvoll und facettenreich. Auch die kreative Gitarrenarbeit lässt das Herz höher schlagen, besonders gelungen finde ich in dieser Hinsicht die Soloteile in „Marathon“ und „Swordwind“. Letzteres hält auch einige ruhige Passagen bereit, die noch einmal deutlich machen, dass den Musikern, trotz manch stürmischer Elemente, ein ausgewogenes Klangbild wichtig ist.

Fazit: Ganz klare Empfehlung! Stormwolf verbinden das Talent für Eingängigkeit mit einer Vorliebe für vielschichtigen Arrangements, sodass das bewusste Zuhören weder schnell langweilig , noch auf die Dauer zu anstrengend wird.

Afsky – Sorg

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Erschienen bei Vendetta Records (Bandcamp)

Afsky (dänisch für „Abscheu“) ist ein Ein-Mann-Unternehmen, das von dem Kopenhagener Ole Luk ins Leben gerufen wurde. Am 9. März diesen Jahres veröffentlichte er, nach einer EP und einer Single, das erste Langspielalbum mit dem Titel „Sorg“ („Trauer“), dessen Titel programmatisch für die Stimmung der Musik steht. Black Metal aus dem hohen Norden klingt für mich persönlich immer etwas kälter als alles andere aus der Richtung und der Mastermind hinter Afsky zieht in dieser Hinsicht auch wirklich alle Register. Die eintönigen Gitarrenriffs verbreiten eine klirrende Athmosphäre, auf der sich die eingewobenen Melodien wie kleine Eiszapfen niederlassen. Das Klangbild ist, wie sich das für Black Metal gehört nicht auf eine glatte Produktion ausgelegt, sondern durchgehend rau und kantig. Spannend wird dieses Gebräu besonders dann, wenn Luk mit folkloristischen Einflüssen experimentiert. Für die Produktion von „Sorg“ hat sich der Komponist nämlich Verstärkung geholt. Die, in den letzten Jahren auch nicht unbekannt gebliebene, Künstlerin Amalie Bruun (Myrkur) spielte auf einigen Stücken die sogenannte Schlüsselgeige (Nyckelharpa) und bei dem siebten Titel „Oh måneløse nat“ ist sie auch stimmlich zu hören, was ein gelungener Kontrast zu Ole Luks verzweifeltem Kreischen ist. Diese akustischen Elemente dürften aus meiner Sicht gern noch etwas mehr zum Tragen kommen, da sie, richtig eingesetzt, dem Sound noch etwas mehr Tiefe und Abwechlung geben könnten. Denn am Schluss bleibt dieses Album vor allem eines; ein Werk, das Stimmung erzeugen will. Genau dabei schätze ich bei Künstlern immer den Mut zum Experiment, an dem es im depressiven Black Metal bei vielen Projekten hin und wieder leider etwas mangelt. In dieser Hinsicht gehört dieses Album für mich zu den besseren Neuerscheinungen aus dieser Richtung, denn das Potential, um kreativ gestalteten und athmosphärisch dichten Black Metal zu schreiben und zu arrangieren, ist auf jeden Fall hörbar. Da ist zwar sicher noch Luft nach oben; dieses Werk ist aber schon einmal ein guter Anfang.

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Qntal – VIII: Nachtblume

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„Nachtblume“ heißt das neue Album der Mittelalter-Elektroniker von Qntal. Michael Popp und Sängerin Syrah versammeln 12 neue Stücke, die sich textlich an der deutschen und englischen Romantik orientieren. Die Gedichte von beispielsweise Joseph von Eichendorff und Lord Byron werden mit sehr sphärischen Elektrosounds und den Klängen der von Popp eingespielten alten Instrumente unterlegt. Die klassisch ausgebildete Stimme Syrahs trägt ihr übriges dazu bei, eine angenehme Klangfläche zu bilden. Ganz so träumerisch bleibt es zwar nicht immer; der Titeltrack präsentiert sich zum Beispiel ab der zweiten Hälfte als durchaus tanzbar und auch das zweite Stück „Die finstere Nacht“ treibt mit seinem mantraähnlichen Chorus gut nach vorn, QNT_N_P02jedoch wirkt die Stimmung über die gesamte Spielzeit doch sehr glatt und einschmeichelnd. Dies erzeugt eine angenehme Sogwirkung, sorgt aber auch dafür, dass einem beim Hören teilweise die Übergänge zwischen den Songs entgehen. Dadurch kann ich eigentlich auch keines der Stücke als besonderen Ausreißer hervorheben, außer vielleicht „Echo“, zu dem abermals der Fantasy-Autor Markus Heitz den Text beisteuerte und das somit als Bindeglied zwischen den klassischen Stoffen und der Moderne fungiert. Ansonsten funktioniert das Album gut als Ganzes; lässt sich also gut am Stück durchhören.

Qntal, die es ja nun auch schon seit 1992 gibt, bleiben ihrem Stil treu und verstehen ihr Handwerk. Ihre musikalische Mischung fasziniert und verzaubert in ihrer Gesamtheit auch noch nach so langer Zeit. Fans dürfen sich meiner Ansicht nach freuen, denn auch das achte Album überzeugt mit einer produktionstechnischen Ausgeglichenheit und schönem Klang.

Die Kammer – minimized EP #01

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Die hohe Qualität eines Songs wird besonders dann ersichtlich, wenn er in einer ganz puren und reduzierten Form noch funktioniert, sprich, wenn alle Dekoration verschwunden ist und trotzdem ein innerer Kern mit einer spürbaren Substanz übrig bleibt. Die beiden Kreativköpfe hinter dem Alternative-Orchester Die Kammer Marcus Testory und Matthias Ambré präsentieren auf dieser frisch vorgelegten EP neun Stücke, die sie beide fast ausschließlich allein mit ihren Gitarren interpretierten. Live scheint dieses minimierte Ensemble gut zu funktionieren, die beiden sind in dieser Form demnächst mit der Gruppe Letzte Instanz auf Tour, aber gelingt es diesen besonderen Lagerfeuercharme auch auf einer CD zu konservieren und als Hörer entsprechend nachzuempfinden?

Die Trackliste von „minimized“ setzt sich aus drei komplett neuen Stücken, drei reduziert dargebotenen Songs aus den vergangenen Seasons und drei Interpretationen von Stücken anderer Bands zusammen. „Taught to survive“ eröffnet würdevoll und gehört zu den munteren Kammerstücken. Durch das Wegfallen der Streicher und der Tuba steht der Gesang logischerweise mehr im Mittelpunkt des Geschehens, was aufgrund von Marcus Testorys ausdrucksstarkem Organ jedoch ausgezeichnet funktioniert. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie „Taught to survive“ mit der kompletten Band umgesetzt anmuten wird, denn ebenso, wie die beiden anderen Vorboten aus dem kommenden vierten Album, klingt das hier schon mal äußerst vielsversprechend. Spannend wurde es für mich besonders bei den Neuvertonungen von „The seeming and the real“ und „The line of last resistance“, zwei meiner persönlichen Favoriten. Besonders letzteres, das in seiner Albumversion ja sehr bombastisch daherkommt, wirkt hier völlig anders, auch was den Gesang angeht. Gerade durch diesen variierten Stimmeinsatz büßt der Song nichts an Kraft ein. Ebenso überrascht war ich von der ersten Coverversion – wenn man das so nennen darf – „Demon love“ der Gothic-Novel-Rock-Band ASP, bei der Matthias Ambré bekanntermaßen ein bedeutendes Mitglied war. Ob es sich hierbei, und auch bei der Interpretation von Chambers „Maybe first we die“, um eine kreative Rotweinlaune oder um eine selbsttherapeutische Maßnahme zur Vergangenheitsbewältigung handelte, ist Sache der Künstler. Mir als Rezensent und Musikfan bleibt zu sagen: Diese Versionen haben definitiv ihre Berechtigung; zeigen sie doch abermals, wie anders Lieder und deren Inhalte wirken können, wenn man sie nur in ein verändertes Gewand kleidet. „Demon love“ kam im ASP’schen Original beispielsweise wesentlich epischer und majestätischer daher, während der hier vorliegende Track um einiges verzweifelter intoniert wird. Als eindeutige Fremdkomposition – an den beiden eben genannten waren Testory und Ambré schließlich jeweils beteiligt – kredenzt man dem Hörer noch als Bonbon das Stück „Home“ von Depeche Mode.

Die Kammer - Bochum 13.01.2017

Diese „Zwischenveröffentlichung“ ist eine spannende und auf äußerst angenehme Weise unterhaltsame Angelegenheit. Das Bild der abgedunkelten Kammer, in der die beiden Musiker sitzen und gemeinsam vor sich hin musizieren, ist beim Hören stets vor dem geistigen Auge präsent, denn die Stimmung, die diese Produktion verbreitet, besitzt die Authentizität des, bei dieser Formation immer mitschwingenden, Singer/Songwriter-Charmes. Somit lässt sich die eingangs aufgeworfene Frage eindeutig mit JA beantworten; ich fühlte mich beim Lauschen jedenfalls sehr wohl, es fehlte nur noch das Knacken des Lagerfeuers. 😉 Respekt, die Herren, wenn man sein Handwerk versteht und mit einer gewissen Leidenschaft bei der Sache ist, braucht man offensichtlich nicht viel Instrumentarium, um auch andere Menschen mit seinem Tun zu begeistern.

Gentlemen.Music – Footprints

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Hinter dem Namen Gentlemen.Music verbergen sich die beiden Ur-Frankfurter Musiker Harald Andres und Werner Littau, die beide bereits auf eine lange Karriere zurückschauen können. Beide hatten, besonders in den 80er-Jahren Erfolge zu verzeichnen und haben sich nun zusammengetan, um die anfangs rein akustischen Kompostionen von Sänger und Gitarrist Andres mit aus Keyboards stammenden Sounds zu veredeln. „Handmade meets High-Tech“ oder, wie es so schön im Booklet geschrieben steht: „Was man sieht, sind zwei Gentlemen, was man hört ist eine ganze ‚Gentleband‘.“ Nun, besser kann man das Konzept eigentlich nicht auf den Punkt bringen.

Ich muss gestehen, vom ersten Stück „Caged“ war ich nicht besonders angetan, denn unter einer gelungenen Mischung aus handgemachter Singer/Songwriter-MusPressefoto-Gentlemen.Musicik und elektronisch erzeugtem Big-Band-Klang hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Was ich hörte, klang, als wäre das Handgemachte beim Arrangieren ein wenig auf der Strecke geblieben, denn die Keyboards sind doch sehr dominant, obwohl die Melodie mir doch eigentlich ganz gut gefällt. Der Opener ist nach den folgenden Chancen, die ich dem Album gab, für mich persönlich immer noch das schwächste Lied, gemeinsam mit einigen anderen Tracks, mit denen ich das gleiche Problem hatte. Die angekündigte Mischung schien mir an manchen Stellen einfach nicht ausgewogen zu sein. Doch andere Stücke sind dafür umso besser gelungen. „Blue collar blues“ zum Beispiel profitiert von den dominierenden Bläserklängen, genauso wie das stilistisch ähnliche „A new start“. Besonders gut gefallen mir allerdings Balladen, wie „Daddy“ oder „Distant protection“, bei denen die Gitarre dann auch, so wie ich mir das anfangs gewünscht hatte, ihren Platz bekommt. Ein stimmungsmäßiger Ausreißer ist mit „Lisa“ vertreten, wo die künstlichen Bläser in Verbindung mit dem rauen Gesang ordentlich Druck nach vorn machen. Ja, da kommt richtig Spaß auf!

Mein anfängliche eher ablehnende Haltung, hat sich nach einigen Hördurchläufen etwas gemildert. Für mich persönlich, ist das Album nichts für den täglichen Gebrauch, nichts, was ich immer hören könnte. Trotzdem enthält „Footprints“ ein paar wirklich gelungene Songs, die wirklich Spaß machen können.

 

The Crüxshadows – Astromythology

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The Crüxshadows habe ich erst Anfang diesen Jahres entdeckt und das obwohl diese Truppe aus Florida schon seit 1992 aktiv ist und das durchaus mit einigen nennenswerten Erfolgen. Aber man kann schließlich nicht den gesamten (internationalen) Markt überblicken, was dazu führt, dass ich nun vieles an Veröffentlichungen nachzuholen habe, was mich nach einigen musikalischen Enttäuschungen in den letzten Wochen jedoch sehr freut.

„Astromythology“ erschien im Jahr 2017 und kann in seiner Gesamtheit als Konzeptalbum betrachtet werden, was einem durch die gelungene Cover- und Bookletgestaltung noch erleichtert wird. Jeder der 13 Songs ist einem bestimmten Himmelskörper unseres Sonnensystems zugeordnet, woraus eine faszinierende auditive Reise, nicht nur durch verschiedene Betrachtungsweisen auf das Weltall, sondern auch durch eine abwechslungsreiche musikalische Ausformung derselben, entsteht. Mit dem Opener „Helios“ präsentieren Frontmann Rogue & Co. einen sehr rythmischen und clubtauglichen Song, der sich sofort in den Gehörgängen einnistet. Das Markenzeichen der Band, die Geigen, sind in, unter anderem, diesem Stück besonders dominant zu hören. „Singularities“ geht in eine ähnliche Richtung, bevor mit „Stay“ die rockige Komponente in den Vordergrund tritt. „Home“ ist dann die erste Ballade, wobei ich wirklich begeistert davon bin, wie die Schatten es schaffen, trotz der zurückgenommenen Stimmung nichts an Kraft einzubüßen. Getoppt wird „Home“ ganz am Schluss des Albums nur noch von „Astronauts“. Wie es sich für so ein Konzept gehört, endet es mit einem elektronischen, epischen Breitwandsound, zu dem Sänger Rogue seine Stimme im Chorus ganz groß und beeindruckend erklingen lässt. Gänsehaut pur! Überhaupt ist der Gesang in den Songs unbedingt hervorzuheben. Mal rau und nach vorne preschend, über zart und einschmeichelnd bis hin zu den hymnischen Tonlagen, besonders in den Refrains, deckt der Mastermind die gesamte Gefühlspalette ab.

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Im Vorfeld zu dieser Rezension habe ich noch andere Werke der Band gehört, unter anderem das Debüt „Night crawls in…“ und das Album „The Mystery of the Whisper“ und, ja, diese Musik ist tatsächlich nur noch in geringen Ansätzen mit dem aktuell veröffentlichten Material zu vergleichen. Was damals noch eher im Dark Wave verhaftet war, spielt heute mit Einflüssen aus dem Pop, Rock und Elektro und verbindet diese zu einem bunten, doch niemals unrund wirkenden, Album. Darüber hinaus besitzt Komponist Rogue eine Gabe für eingängige Melodien und gut klingende Arrangements, die es einem leicht machen, sich in die Musik einzufühlen. Das Konzept, das in jeglicher Hinsicht nachvollziehbar ausgestaltet wurde, führt noch zusätzlich dazu, dass diese Eingängigkeit nicht zur Falle wird und in Belanglosigkeit ausartet, denn der Anspruch etwas zu vermitteln, sei es nun Inhalt oder Emotion, ist auf jeden Fall spürbar. Andersherum ermöglicht der Popeinschlag der Songs, dass man die Musik auch losgelöst vom Inhalt genießen kann, was auch ein Qualitätsmerkmal ist.

Den Crüxshadows ist es mit „Astromythology“ aus meiner Sicht somit vortrefflich gelungen, ein Album zu produzieren, dass sich auf einem bequemen (?) Plätzchen zwischen künstlerischem Anspruch und Pop niederlassen kann. Glückwunsch nach Florida!

Incantatem – Animus et Anima

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Keine leichte Aufgabe, die Incantatem sich hier aufgeladen haben. Mit ihrem Debütalbum stellt sich die Hamburger Formation mit in die Masse der Bands, die den Folk-Rock-Metal-Bereich bevölkern. Namen, wie Subway to Sally, In Extremo & Co. stehen für diese Musikrichtung und das ziemlich erfolgreich. Stilistisch im Schatten dieser nun schon jahrelang aktiven Gruppen zu agieren, ist sicher nicht einfach und ich denke auch nicht, dass die fünf Musiker sich mit ihnen messen möchten. Sollten sie zumindest nicht, denn wo genannte Bands in den 1990ern noch etwas Neues entwickeln konnten, ist heute nicht mehr viel Innovatives anzubieten. Dies ist natürlich kein Grund jetzt mit der bösen Rute auf alle kommenden Spielmannsrocker draufzuhauen, um sie wieder unter die Oberfläche zu verscheuchen, denn gute Unterhaltung und Stimmung können sie schließlich trotzdem bringen.

„Animus et Anima“ ist da leider ein eher gescheiterter Versuch. Die raue Grundstimmung des Albums versandet, dank der recht hölzern und wenig mitreißenden Kompositionen, in kompletter Beliebigkeit. Die Gitarrenriffs, der recht inspirationslos vor sich hin spielende Dudelsack und die, zwar durchaus passende, aber das Gesamtwerk auch nicht rettende, Stimme verschmelzen zu einem gleichförmigen Gebräu, ohne großartige Abwechslung oder hängenbleibende Glanzmomente. Unausgegoren und undurchdacht wirken die Stücke, sowohl inhaltlich, als auch in ihrer Ausgestaltung.

INCANTATEM

Natürlich handelt es sich hierbei um ein Debütalbum, was heißt, dass Incantatem ja noch alle Türen offen stehen. Ich vergleiche das mit meiner ersten Begegnung mit der Musik von Tanzwut, der ich einiges abgewinnen kann. Deren Erstling wirkte nämlich ähnlich auf mich; wie eine Ansammlung aus netten Ideen und sicher auch Spaß am kreativen Tun, jedoch eben ohne die Fähigkeit die Eingebungen der Madame Muse auf ansprechende Weise zu bündeln und zu präsentieren. Vielleicht also beim nächsten Mal…