Blutengel – Vampire

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Als Vorbote aus dem nächsten Blutengel-Longplayer „Un:Gott“ wurde vor kurzem die Singleauskopplung unter dem bezeichnenden Titel „Vampire“ auf den Markt gebracht. Diese setzt den eingeschlagenen musikalischen Weg konsequent fort. Kräftige Beats eröffnen den Titelsong, der sich schnell als typisches Tanzflächenstück entpuppt. Der Refrain ist eingängig und der Sound gewohnt bombastisch und mitreißend produziert. Die Clubtauglichkeit wird in dem Remix von Pseudokrupp Project noch weiter in den Vordergrund gestellt, während die Six-Faces-Version etwas rockiger daherkommt. Durch die Wechsel zwischen wohl gesetzter Sparsamkeit und klangvoller Größe finde ich letzteren die wesentlich spannender arrangierte Neu-Interpretation. Den Abschluss dieser Single bildet die Ballade „Auf deinen Wegen“, die sich nahtlos in die Sammlung aus emotionalen, ruhigen Songs, wie „Am Ziel“, „Ein Augenblick“ und „Der Regen fällt“ einreiht. Der verhaltene Beginn steigert sich immer weiter bis zum eindrucksvollen Finale, was zu gefallen weiß.

„Vampire“ vermittelt mir als Vorab-Auskopplung den Eindruck, als müssten die Fans mit einem typischen Blutengel-Album rechnen. Auf den gewohnten überwiegend elektronischen Sound der letzten Alben wird auf gelungene Weise auch bei den beiden neuen Stücken gesetzt, auch, wenn ich hoffe, dass Ulrike Goldmann in Zukunft wieder etwas mehr Einsatz zugeteilt bekommt. Hier steht ihre Stimme leider sehr im Hintergrund. Mastermind Chris Pohl interpretiert zwar auch sehr souverän, allerdings schätze ich bei Blutengel-Alben die Abwechslung. Wir werden sehen, wie die Entwicklung weitergeht, wenn „Un:Gott“ erscheint. Die typischen Trademarks sind jedoch erwartungsgemäß wieder da: Tanzbarkeit, Eingängigkeit und die gewohnte poppige Düsternis.

 

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Dead End Future – Obey

Cover

Nach dem 2013 veröffentlichten Debütalbum „Surgical Delusion“ kommt das Death-Metal-Quintett Dead End Future nun mit dem neuen Werk „Obey“ wieder mit ihren Klängen aus der Unterwelt zurück ans Tageslicht. Neun kompromisslose Tracks versammeln sich auf dem Tonträger mit dem scheinbar durch H.P. Lovecraft inspirierten Cover.

Die neuen Stücke haben, das kann man nicht anders sagen, alles, was der geneigte Death-Metal-Hörer sich wünscht. Es herrscht eine brutale Atmosphäre, die durch die dröhnenden Schlagzeug- und Gitarrenmassaker erzeugt wird. Hinzu gesellt sich Sänger Florian Sikora, der mit seinem wirklich kraftvollen Growling dem Ganzen noch den perfekten vokalistischen Anstrich gibt. Wenn er das bei Liveauftritten genauso hinbekommt, sind Konzerte der Kombo sicher ein bleibendes Erlebnis. Die Produktion ist wunderbar ausgewogen und transparent ausgefallen und klingt wirklich amtlich. Die lauten Passagen trommeln schonungslos aus den Boxen und auch die zwar selten auftauchenden, dafür aber sehr geschickt eingewobenen melodischeren Gitarrenläufe kommen gut zum Tragen.

Wirklich herausragende Songs mit Hitpotential hat das Album zwar nicht zu bieten, jedoch macht das Zuhören großen Spaß und man kann sich gut in die authentisch erzeugte Stimmung fallen lassen, die wirklich dicht und fühlbar geworden ist. Death-Metal-Freunden sei „Obey“ hiermit nachdrücklich ans Herz gelegt.

Blue Images – Forgotten Dreams

Blue Images Forgotten Dreams Frontcover

Im letzten Mai veröffentlichten Blue Images ihr Album „Her Light“, dem nun die digitale EP „Forgotten Dreams“ als Ergänzung folgt. Als Aushängeschild wurde der Track „Forgotten“ ausgewählt, eine gute Wahl, wie ich finde, denn dieses hymnische Stück entpuppte sich damals schon als bleibender Ohrwurm. Neben einer Reihe von Remixen und einer deutschen Version des Single-Tracks befinden sich aber auch drei komplett neue Songs auf der EP, die alle stilistisch und qualitativ auch sehr gut auf „Her Light“ hätten Platz finden können. Mal angenehm und verträumt gleitender und mal beattechnisch treibender Synthie-Pop mit eingängigen Melodien bestimmt immer noch das Klangbild, wobei besonders „Dreaming“ mit seinem großen Refrain auffällt und einen positiven Eindruck hinterlässt. Für den Abschluss dieser Veröffentlichung wagte man sich noch an zwei Coverversionen heran. Zum einen wurden „That smiling face“ von Camouflage und zum anderen „Souls“ von Project Pitchfork einer blau schillernden Bearbeitung unterzogen, was jeweils passabel funktioniert hat. Die runden, gelungenen Umsetzungen wissen zu gefallen, auch wenn sie die Fans der Originale wahrscheinlich nicht vom Hocker hauen werden.

Wem das vorangegangene Album bereits gefallen hat, der wird mit den „Forgotten Dreams“ gut bedient sein. Wo andere Bands lediglich Single-Tracks, inklusive ein, zwei Remixen als Auskopplung auf den Markt werfen, bieten Blue Images dem Hörer mit den versammelten 11 Tracks hier wirklich einen großzügigen und schönen Mehrwert für sein Geld.

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Smeltz – Schön ist anders

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Kammersänger Marcus Testory meldet sich mit einem neuen alten Projekt zu Wort. Ende der 1990er-Jahre existierte eine Band namens M.E.L.T., die allerdings lediglich ein Album veröffentlichte, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Nun allerdings haben sich (größtenteils) die damaligen Bandmitglieder wieder zusammengefunden und unter dem Namen Smeltz – eine gewisse Ähnlichkeit in der Benennung ist nicht zu leugnen 😉 – das vorliegende Album „Schön ist anders“ veröffentlicht – ein höchst selbstironischer und definitiv nicht auf die Musik zutreffender Titel.

Im Gegensatz zu Testorys verspieltem Hauptprojekt, dem Alternative-Orchester „Die Kammer“ präsentieren die Musiker dieser Kombo eine geradlinige Rock-Metal-Mischung mit einer gelungenen Verbindung aus bodenständiger Härte und angenehmer Eingängigkeit. E-Gitarren, treibendes Schlagzeug und prägnante Bassläufe bestimmen das Klangbild, genauso wie der kraftvolle Gesang des Frontmanns. Die, einerseits bissig-zynischen anderseits aber auch mal zurückhaltenden, melancholischen Texte singt der gebürtige Österreicher in seiner Muttersprache, was der Musik einen ganz eigenen Charme verleiht. Das würde ich von dem sonst englischsprachig performenden Testory gerne öfter hören. Meine persönlichen Favoriten sind das schwarz-humorige „Die gute alte Zeit“, der perfekt gewählte Rausschmeißer „Wildes Kind“ und „Der Kuss“. Letzteres erinnerte mich irgendwie an einen Song der Vorgängerband, was ich sofort überprüfen musste und tatsächlich: Das Stück scheint doch eine gewisse Verwandtschaft mit „Harrowed man“ von M.E.L.T. zu haben, gerade an der Stelle in der ersten Strophe an der Testory seine Stimme in die Höhe zieht fällt das auf. Sehr schöne Überraschung! 😉

„Schön ist anders“ überzeugt mich auf ganzer Linie mit toller Musik, intelligenten Texten und einer Stimme, die ich sowieso sehr mag, in einem anderen Bandkontext als gewohnt. Ich hoffe doch sehr auf eine Fortsetzung dieses Projekts, dessen Lieder sowohl zum Mitgehen als auch zum Zuhören und Nachdenken auffordern.

Mirexxx – Vault

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Das belgische Elektro-Duo Mirexxx knüpft mit seinem Debütalbum „Vault“ soundtechnisch dort an, wo Bands wie Hocico oder Suicide Commando bereits in den 1990ern begonnen haben. Kühle Synthesizersounds, Oldschool-EBM-Anleihen und verzerrter Gesang, der zwischen treibenden Shoutings und zurückhaltenden Flüsterpassagen pendelt, bestimmen die zehn Tracks. Was Mirexxx von den genannten Vertretern dieser Stilrichtung unterscheidet, ist, dass ihre Musik nicht ganz so aggressiv präsentiert ist; der Gesamtsound bleibt eher weich und animiert nicht wirklich zum Abgehen, sondern doch eher zum abwartenden Zuhören. Diesen klanglichen Unterschied kann man der noch jungen Formation auf jeden Fall als Pluspunkt zuschreiben, denn sich innerhalb dieses Genres abheben zu wollen, ist gar nicht so einfach. Was den Stücken auf „Vault“ in sich jedoch ein bisschen fehlt, ist Abwechslung. Die verbreitete, schon ziemlich gut produzierte, Atmosphäre, bleibt vom Anfang bis zum Ende leider sehr homogen, was leider doch eher dafür sorgt, dass man beim Hören die Aufmerksamkeit nicht durchgängig aufrecht erhalten kann. Hier könnte man durch mehr Tempo- und Soundvariationen vielleicht noch vielfältigere Arrangements erzeugen.

Für ein Debütalbum geht „Vault“ aber völlig in Ordnung. Die beiden Musiker haben sich für ihre Auslegung der elektronischen Musik entschieden; nun bleibt abzuwarten, was sie in den nächsten Jahren daraus machen werden. Wer nach dem Genuss des Albums übrigens noch nicht genug hat, für den gibt es noch die gleichnamige Download-Single mit einigen durchaus gelungenen Remixen des Titelstücks.

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On The Floor – Lifetime

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Das Quartett On The Floor meldete sich im Oktober diesen Jahres mit einem neuen Album zurück. „Lifetime“ atmet den Geist des in den 80er Jahren verwurzelten Dark Waves und Gothic Rocks und transporiert diese nicht tot zu kriegenden Stile ins hier und heute. Und das mit Berechtigung. Die, seit bereits 22 Jahren bestehende Kombo, präsentiert kreative, verspielte Elektronik und vermischt diese mit atmosphärischer, vielschichtiger Gitarrenarbeit. Perlende, eingängige Melodien treffen hierbei auf verzerrte Saitenklänge, die einen eher untermalenden Charakter haben, was den Gesamtsound noch düsterer macht. Hinzu kommt die Stimme des Sängers Helge Jungmann, die sich mit ihrem dunklen Klang harmonisch in die Produktion einfügt, ohne dominant das Ruder an sich zu reißen.

Unter den 12 Stücken, die sich auf „Lifetime“ versammeln, befindet sich auch der ein oder andere Song, der Hitpotential aufweist. Dazu gehören die hymnischen Rockstücke „We light the sky“ und „This time“, die mit eingängigen Refrains und zwingendem Rhythmus die Aufmerksamkeit des Hörers fesseln und auch zur Bewegung animieren können. Mein persönlicher Favorit ist jedoch die ruhigere, tiefmelancholische Perle „Riverborn“, dessen zurückgenommener Charme mich sofort zum Innehalten und aufmerksamen Lauschen brachte. Kleine Anmerkung: Dieses nur knapp dreiminütige Stück hätte ruhig länger sein dürfen.

Aber auch die anderen Songs wissen zu gefallen und bilden insgesamt betrachtet ein rundes und ausgewogenes Gesamtwerk für den Herbst. „Lifetime“ eignet sich sowohl für einen Spaziergang durch die, zu früher Stunde bereits dunkler werdende, Kleinstadt, als auch für melancholisches Schwelgen in den eigenen vier Wänden.

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Six Foot Six – The Six Foot Six Project

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Six Foot Six ist ein neues Projekt des schwedischen Sängers und Gitarristen Kristoffer Göbel, der bereits von Bands wie Falconer, Destiny und Aldaria bekannt ist. Das Album, welches er nun unter dem unmissverständlichen Namen „The Six Foot Six Project“ auf den Markt gebracht hat, bewegt sich stilistisch im melodischen Heavy Metal mit Elementen aus dem Power Metal und hier und da einem leichten Schuss poppigen Rock-Feeling.

Der Opener „Virus inside“ wurde bereits als Appetithappen im Vorfeld veröffentlicht, was eine gute Wahl war, denn dieses Midtempostück vereint bereits die markanten Merkmale, die sich auf dem gesamten Album wiederfinden lassen: mitreißende Gitarrenriffs, verfeinert mit eingängigen Melodien und Soli und der kraftvollen, professionell agierenden Gesangsstimme des Masterminds. Etwas flotter geht es mit „Bleed for mankind“ weiter, bevor in „Falling sparrow“ gekonnt powervolle Choreinsätze in den Refrain eingewoben werden. „Frozen in time“ wiederum ist ein gutes Beispiel für den oben angesprochenen Pop-Rock-Einfluss. Übrigens war dieses Stück nach dem ersten Hören sofort einer meiner Favoriten, genau wie das später folgende „Anomina“. „Pride and glory“ und „Test of time“ gehen rifftechnisch in eine härtere Richtung. Am meisten allerdings überraschte mich das Lied „In defiance“, bei dessen Intro ich kurz die Stirn runzeln musste, bevor mir einfiel, was mich so stutzig machte. „Irgendwo her kenne ich das doch“, dachte ich und behielt begeistert Recht. Six Foot Six covern hier einen Song der englisch-irischen Elektro-Pop-Gruppe VNV Nation und das auf so ungezwungene Weise, dass wahrscheinlich niemand, der das Original nicht kennt, auf den Gedanken kommen könnte, dass es sich hierbei um eine Fremdkomposition handeln könnte. Das Stück fügt sich mit Leichtigkeit nahtlos in den dargebotenen Klangkosmos ein. Den Schlusspunkt bildet die hervorragende Rockballade „Ephemeral“, die eine weite, angenehme Melancholie vermittelt und im Refrain sehr vielschichtig daherkommt.

Jedem Freund von melodischem und nicht zu hartem Metal möchte ich „The Six Foot Six Project“ wärmstens empfehlen. Können trifft hier auf Kreativität, ohrwurmtaugliche Gesangsmelodien auf wohlbedacht ausgearbeitete Instrumentale, die zusätzlich noch durch ihre saubere und druckvolle Produktion erfreuen. Ganz großes Kompliment für dieses Album!

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Slowtide – A gentle reminder

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Gut Ding will Weile haben, sagt das Sprichwort. Der Mastermind hinter dem Pop-Projekt Slowtide Kevin Werdelmann hat sich diesen Spruch zu Herzen genommen und neun, vor über 15 Jahren in ihren Demoversionen veröffentlichte, Lieder für den vorliegenden Tonträger komplett überarbeitet und neu arrangiert. Der Schmetterling auf dem Cover mag sinnbildlich für diesen Prozess der Verwandlung stehen. Aus neun, mit schlichten Mitteln produzierten Liedern, wurden Tracks, denen allesamt eine angenehme, warme Dichte in den Arrangements, gemein ist.

Los geht es mit „Today“, in welchem flotte Beats mit angenehmen Synthesizerklängen und starkem Gesang zu einem ohrwurmtauglichen Synth-Pop-Stück verbunden wurden. Die darauffolgende Ballade „Soothing light“ beginnt mit einem verhaltenen Arrangement aus Piano, Stimme und leichtem Schlagwerk, bis am Ende orchestrale Elemente das Ruder übernehmen. Als herausragend sei hier übrigens die Gesangsmelodie genannt, die sofort durch das Ohr ins Herz geht. Nach dem ebenfalls ruhigen „The shape of things“ bietet sich dem Hörer die große Überraschung; Kevin Werdelmann kann auch Rock. Dreckige Gitarren (inklusive einem grandiosen 70er-Jahre-Solo) und scheppernde Drums bestimmen das Klangbild von „Get up you’re free“. Der Art der Produktion und der nach wie vor weichen Stimme ist es zu verdanken, dass dieser musikalische Rausreißer zwar auf-, jedoch nicht aus dem Gesamtbild des Albums herausfällt. Ein weiteres Beispiel für ein wirklich gelungenes Arrangement stellt „Safe“ dar, dessen von perlendem E-Gitarren-Spiel dominierten Strophen, von einem großen, sich deutlich abhebenden Refrain abgelöst werden. Für meinen Geschmack hätte die Stimme hier zwar auch gerne etwas mehr abheben und weniger zurückhaltend präsentiert werden können, jedoch trübt das den Eindruck nur minimal. Denn, wie auch die weiteren Songs zeigen, kann das Projekt Slowtide vor allem mit einem punkten: Werdelmann besitzt vor allem ein Händchen für wunderschöne Melodien.

Insgesamt hat Kevin Werdelmann es geschafft seinen alten Stücken einen Glanz zu verleihen, der seinesgleichen sucht. Die Arrangements sind weder überfrachtet, noch zu minimalistisch und kleiden die Kompositionen in das jeweils individuell passende Gewand, was zu einer gelungenen Verbindung verschiedener Einflüsse führt. Diesen musikalischen Schmetterling höre ich doch gerne durch die Wohnung schweben.

Grausame Töchter – Engel im Rausch

FRONTCOVER

Grausame Töchter, das Projekt der Künstlerin Aranea Peel, kehrte am 26.10. mit dem neuen Album „Engel im Rausch“ zurück. Für mich persönlich war es eine sehr spannende Veröffentlichung, da der Vorgänger „Vagina Dentata“ mir vor allem musikalisch sehr gut gefallen hat. Dass das neue Werk nahtlos an diesen Stil anknüpft, kann ich nun nach mehrmaligem Hören nicht gerade sagen, jedoch ähnelte bisher kein Album der Grausamen Töchter dem anderen, sodass das allein nichts Schlimmes ist. Trotzdem wird „Engel im Rausch“ seinen Vorgänger nicht von meinem persönlichen Thron des besten Albums dieser Formation schubsen.

Nach der sehr atmosphärischen und überraschend ruhigen Eröffnung, die den Charakter einer Einladung hat, und dem mich wenig überzeugenden, von Sprechgesang dominierten, Stück „Wildes Tier“ kommt mit „Engel im Himmel“ mein erster Favorit. Der Song hat ein wirklich toll gelungenes, ausgewogenes Arrangement, das von den verschiedenartigen Gesängen der Frontfrau getragen wird. Aranea Peels vielseitiger Stimmeinsatz war für mich schon immer das, was mir an ihrer Musik besonders gefallen hat und so ist es auch auf diesem Album. Weitere Glanzmomente sind das konsequente „Wie eine Zecke“, das gleichzeitig eingängige und dunkle „Sternenmädchen“, das kontrastreiche „… und ich fühle nichts“ und der rundeste Song der CD „Nein!“. Diese vier Stücke haben wirklich Hitpotential und bestechen nicht nur musikalische, sondern auch lyrisch. Beim Rest des Albums allerdings tue ich mich leider sehr schwer. Lieder, wie „In deinem Kopf“ und „Atme mich“, greifen den dichten Soundtrackcharakter des Openers wieder auf, schaffen es meiner Ansicht nach aber nicht wirklich den Hörer gefangen zu nehmen. Zu unausgereift und zerhackstückelt erscheinen mir die Arrangements. „Lila Katzen“ ist stimmlich sehr aufgedreht, was als Stilmittel prinzipiell in Ordnung geht, allerdings nervt mich bereits am Anfang der Effekt auf den Vocals. Geschmackssache! „Fickmaschine“ und „Sex in Deutschland“ dagegen sind einfach nur unheimlich platt geraten, sowohl musikalisch als auch textlich belanglos und das auch noch ohne Pointe. Brauche ich persönlich nicht. Sorry.

Mein Gesamteindruck von dem Album ist sehr zwiespältig. Auf der einen Seite schätze ich die experimentelle Verbindung aus verschiedenen Elektrostilen mit Soundtrack- und Dark-Wave-Elementen, die die Grausamen Töchter auf ihren Alben präsentieren. Letztendlich ist es allerdings so, dass mich auf „Engel im Rausch“ das Songmaterial nicht gerade überzeugt. Die Stücke, die ich als positiv bereits hervorgehoben haben, machen für mich dieses Album aus, der Rest geht leider ziemlich an mir vorbei. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass man an einigen Stellen einfach zu viel wollte, wodurch eine gewisse Geradlinigkeit, die bei der Direktheit der Texte zu erwarten wäre, einfach flöten geht.

Am Ende aber möge jeder selbst entscheiden, ob dieses Album den besungenen „Zauber der Nacht“ enthält. Für mich persönlich nicht, aber einige gute Songs konnte ich trotzdem mitnehmen. Bis zum nächsten Mal; bei dieser Formation weiß man eben nie, was man bekommt und vielleicht überzeugt mich die nächste Veröffentlichung ja wieder mehr.

Broken Ego – Avenue to Wonderland

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Broken Ego sind eine Elektro-Rock-Band um den Wiener Sänger Chris Ego, die mit dem vorliegenden Album „Avenue to Wonderland“ ihren zweiten Wurf auf die Hörerschaft loslassen. 12 Songs versammeln sich auf dem Silberling, die allesamt eine angenehme Gute-Laune-Stimmung verbreiten. Die Stücke setzen sich zusammen aus Elementen des Synth-Pop und des Indie-Rock, wobei keine der beiden Seiten jemals wirklich die Führung übernimmt, um damit den jeweils anderen Part zu überstrahlen. Stattdessen ist die Mischung jederzeit bemerkenswert ausgewogen produziert, was die poppige Ausstrahlung nur noch mehr hervorstechen lässt. Auch das Songwriting ist sehr eingängig ausgefallen; Ecken und Kanten sind nicht zu finden. Das klingt jetzt, wenn man meinen Blog ein wenig verfolgt, vielleicht nicht nach einem besonders großen Kompliment, jedoch kann ich vielen Liedern des Albums trotzdem einiges abgewinnen. Der Opener „Electric girl“ zum Beispiel geht gut nach vorn und eignet sich sehr gut, um dem eventuell angestauten Bewegungsdrang nachzugeben. So verhält es sich mit vielen der Songs, sodass ich glaube, dass es sich bei Broken Ego um eine hervorragende Liveband handeln könnte. Die Studioversionen vermitteln zumindest schon einmal ein gutes Gefühl, mit dem man gut Abfeiern und Spaß haben kann. Und an angenehm zu hörender Musik ist ja auch generell nichts auszusetzen oder? 😉

Für Freunde des softeren Synth-Rocks haben Broken Ego mit „Avenue to Wonderland“ ein sehr schönes Album geschaffen. Das Gesamtkunstwerk ist in seiner Erscheinung rund, was übrigens auch das nette Coverartwork mit einschließt, und auch die Stimme ist kraftvoll genug, um die Stücke zu tragen und ihnen Leben einzuhauchen. Insgesamt also eine sehr gelungene Veröffentlichung, die neugierig auf die Weiterentwicklung dieses Projektes macht.

BROKEN EGO_fishtank iconic 1_by Dr_Colin_Vickers    Fotografie: Dr. Colin Vickers