EwiG-Nachtodreise-Cover-Rahmen

VÖ: 31.03.2017

Die Geysterstunden sind Vergangenheit, doch die Frage, wo wir nach dem Tod hingehen, lässt Eden Weint Im Grab immer noch nicht los. Warum auch? Sie sind damit auf dem weiten Feld der Kunst nicht allein und in guter Gesellschaft. Und so lädt die Dark-Metal-Band um Kreativkopf Alexander Paul Blake ihre Zuhörerschaft mit dem neuen Album „Na(c)htodreise“ zu einer ganz und gar nicht gewöhnlichen musikalischen Reise ein. Mag das Wortspiel den Titel auch etwas sperrig machen, sollte man sich davon auf keinen Fall abschrecken lassen.

Der Opener „TraumTod“ zeigt, dass sich Geige und Cello inzwischen einen etablierten Platz in den Klanggewittern des Metalfundaments erkämpft haben. Der Streicherteppich, der das Stück einleitet, verbreitet sofort eine unwiderstehliche Atmosphäre, die einen in das Album hineinzieht, denn so kennt und mag man diese Band.

Äußerst vielseitig und – was mich sehr fasziniert – cineastisch geht man hier zu Werke. So zum Beispiel in „Kahnfahrt auf dem Acheron“. Die Reise auf dem Totenfluss wird musikalisch mit sehr doomigen Gitarrenriffs, begleitet von einem düsteren Piano und langgezogenem Gesang Blakes umgesetzt. So sieht man als phantasiebegabter Mensch den Kahn zwar in gemächlichem Tempo, jedoch bedrohlich auf sein unbekanntes Ziel zu fahren.

Einen ähnlichen Effekt hat das Stück „Die verwaiste Wüstenstadt“ auf mich gehabt. Der dunkle Westerntouch gibt einem tatsächlich das Gefühl eines „lonesome rider“ in der Weite des (ehemals) wilden Westens. Spannend ist hier übrigens besonders, wie dieses Stilmittel mit der metallischen Härte, die etwa in der Mitte des Stücks einsetzt, harmoniert. Kopfkino ist angesagt!

Eden Weint Im Grab5 Credit Yvonne Brasseur

(Fotografie von Yvonne Brasseur)

Neben solchen sehr atmosphärischen Stücken gibt es neben den typischen, eingängigen Dark-Metal-Songs, wie „Sternenmenschen“ und „Der Exitus der Schlangen“ eine weitere Überraschung. Das sehr partymäßige „In der Totentaverne“ lässt den schwarzen Humor des Texters durchblicken. Warum nicht ordentlich feiern, wenn man schon tot ist? Und die Band, die für die musikalische Untermalung dieses jenseitigen Saufgelages sorgt, ist uns wohlbekannt.

Nach ca. 70 Minuten setzt „Das große Mysterium“ den epischen Schlusspunkt des musikalischen Reigens. Der gesprochene „Epilog“ schließt den Kreis: Die Reise ist zu Ende.

Das Album „Na(c)htodreise“ setzt Traditionen in musikalischer und thematischer Ausrichtung der Band fort, doch begeistert auch mit neuen und spannenden Elementen. Es ist immer wieder aufs Neue erstaunlich, wie Blake & Co. es schaffen verschiedenste Stile zu einem einheitlichen, runden Gesamtwerk zu formen. Das einende Element ist die morbide Atmosphäre, die Musik und Text in ihrer gelungenen Symbiose ausstrahlen. Die Fans werden über diese Fortsetzung der e.w.i.g.en Reise begeistert sein!

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