DoritJakobs_Cover

Dorit Jakobs verbindet mit dem Titel ihres Albums und auf dessen Coverbild zwei augenscheinliche Gegensätze: Den lauten Protest und das verschlafene Desinteresse, was ein interessanter Ansatz ist. Spiegelt sich dieser nun auch in der Musik wieder?

Aus meiner Sicht gibt es auf diese Frage nur eine Antwort und zwar ein ganz klares JEIN. Letztendlich bleibt nämlich bis auf wenige Ausnahmen eher letzteres übrig. Die Kompositionen der Singer/Songwriterin sind allesamt sehr ruhig gehalten und auch recht sparsam und zurückhaltend instrumentiert worden. Unterschiede liegen im Detail, ansonsten sind die Stücke in Stimmung und Aufbau sehr ähnlich. Beim ersten Hören hatte ich den Eindruck, nicht 10 voneinander getrennte Songs, sondern einen sehr langen Track zu hören. Das muss nicht prinzipiell etwas schlechtes sein. Da Dorit Jakobs eine sehr angenehme und herrlich unverkrampfte Art des Gesangs verwendet und ich auch ihre Texte als sehr gelungen empfinde, hörte ich ihr trotzdem gerne zu. Die Wirkung ist ein wenig zu vergleichen mit der eines angenehmen Ambient-Albums, das durch eine gewisse Form der Eintönigkeit eine Sogwirkung erzeugt, nur, dass in diesem Fall die Sprache unterstützend dazu kommt. Obwohl drum herum nicht viel geschieht, wollte ich immer weiter zuhören, den Worten und Botschaften lauschen und ich war letztendlich erfreut, dass es keine reine Gedichtlesung ist, die hier vorliegt. Meine Favoriten sind „Erwarte nicht zu viel“, „Leicht lethargisch“ und „Mein Sozialleben“, sowohl musikalisch als auch lyrisch.  In letzterem findet sich dann auch ein kleiner Ausreißer in Richtung Rebellionsstimmung, der der Thematik auch sehr gut tut.

Insgesamt empfinde ich „Im Aufruhr der Lethargie“ als ein sehr textlastiges Album. Das kann schief gehen; Dorit Jakobs schafft es meiner Meinung nach aber recht gut, platten Phrasen auszuweichen und dabei glücklicherweise nicht zu verkopft zu dichten. Dies ist für mich die herausragende Qualität dieses Albums, während ich die musikalische Umsetzung mehr als bloßes, wenn auch durchaus schönes, schmückendes Beiwerk betrachte, die den Texten eine weitere Dimension verleiht, allerdings eben auch nur in Symbiose mit ihnen funktioniert.

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