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The Crüxshadows habe ich erst Anfang diesen Jahres entdeckt und das obwohl diese Truppe aus Florida schon seit 1992 aktiv ist und das durchaus mit einigen nennenswerten Erfolgen. Aber man kann schließlich nicht den gesamten (internationalen) Markt überblicken, was dazu führt, dass ich nun vieles an Veröffentlichungen nachzuholen habe, was mich nach einigen musikalischen Enttäuschungen in den letzten Wochen jedoch sehr freut.

„Astromythology“ erschien im Jahr 2017 und kann in seiner Gesamtheit als Konzeptalbum betrachtet werden, was einem durch die gelungene Cover- und Bookletgestaltung noch erleichtert wird. Jeder der 13 Songs ist einem bestimmten Himmelskörper unseres Sonnensystems zugeordnet, woraus eine faszinierende auditive Reise, nicht nur durch verschiedene Betrachtungsweisen auf das Weltall, sondern auch durch eine abwechslungsreiche musikalische Ausformung derselben, entsteht. Mit dem Opener „Helios“ präsentieren Frontmann Rogue & Co. einen sehr rythmischen und clubtauglichen Song, der sich sofort in den Gehörgängen einnistet. Das Markenzeichen der Band, die Geigen, sind in, unter anderem, diesem Stück besonders dominant zu hören. „Singularities“ geht in eine ähnliche Richtung, bevor mit „Stay“ die rockige Komponente in den Vordergrund tritt. „Home“ ist dann die erste Ballade, wobei ich wirklich begeistert davon bin, wie die Schatten es schaffen, trotz der zurückgenommenen Stimmung nichts an Kraft einzubüßen. Getoppt wird „Home“ ganz am Schluss des Albums nur noch von „Astronauts“. Wie es sich für so ein Konzept gehört, endet es mit einem elektronischen, epischen Breitwandsound, zu dem Sänger Rogue seine Stimme im Chorus ganz groß und beeindruckend erklingen lässt. Gänsehaut pur! Überhaupt ist der Gesang in den Songs unbedingt hervorzuheben. Mal rau und nach vorne preschend, über zart und einschmeichelnd bis hin zu den hymnischen Tonlagen, besonders in den Refrains, deckt der Mastermind die gesamte Gefühlspalette ab.

Pressefoto-Crüxshadows

Im Vorfeld zu dieser Rezension habe ich noch andere Werke der Band gehört, unter anderem das Debüt „Night crawls in…“ und das Album „The Mystery of the Whisper“ und, ja, diese Musik ist tatsächlich nur noch in geringen Ansätzen mit dem aktuell veröffentlichten Material zu vergleichen. Was damals noch eher im Dark Wave verhaftet war, spielt heute mit Einflüssen aus dem Pop, Rock und Elektro und verbindet diese zu einem bunten, doch niemals unrund wirkenden, Album. Darüber hinaus besitzt Komponist Rogue eine Gabe für eingängige Melodien und gut klingende Arrangements, die es einem leicht machen, sich in die Musik einzufühlen. Das Konzept, das in jeglicher Hinsicht nachvollziehbar ausgestaltet wurde, führt noch zusätzlich dazu, dass diese Eingängigkeit nicht zur Falle wird und in Belanglosigkeit ausartet, denn der Anspruch etwas zu vermitteln, sei es nun Inhalt oder Emotion, ist auf jeden Fall spürbar. Andersherum ermöglicht der Popeinschlag der Songs, dass man die Musik auch losgelöst vom Inhalt genießen kann, was auch ein Qualitätsmerkmal ist.

Den Crüxshadows ist es mit „Astromythology“ aus meiner Sicht somit vortrefflich gelungen, ein Album zu produzieren, dass sich auf einem bequemen (?) Plätzchen zwischen künstlerischem Anspruch und Pop niederlassen kann. Glückwunsch nach Florida!

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