FRONTCOVER

Grausame Töchter, das Projekt der Künstlerin Aranea Peel, kehrte am 26.10. mit dem neuen Album „Engel im Rausch“ zurück. Für mich persönlich war es eine sehr spannende Veröffentlichung, da der Vorgänger „Vagina Dentata“ mir vor allem musikalisch sehr gut gefallen hat. Dass das neue Werk nahtlos an diesen Stil anknüpft, kann ich nun nach mehrmaligem Hören nicht gerade sagen, jedoch ähnelte bisher kein Album der Grausamen Töchter dem anderen, sodass das allein nichts Schlimmes ist. Trotzdem wird „Engel im Rausch“ seinen Vorgänger nicht von meinem persönlichen Thron des besten Albums dieser Formation schubsen.

Nach der sehr atmosphärischen und überraschend ruhigen Eröffnung, die den Charakter einer Einladung hat, und dem mich wenig überzeugenden, von Sprechgesang dominierten, Stück „Wildes Tier“ kommt mit „Engel im Himmel“ mein erster Favorit. Der Song hat ein wirklich toll gelungenes, ausgewogenes Arrangement, das von den verschiedenartigen Gesängen der Frontfrau getragen wird. Aranea Peels vielseitiger Stimmeinsatz war für mich schon immer das, was mir an ihrer Musik besonders gefallen hat und so ist es auch auf diesem Album. Weitere Glanzmomente sind das konsequente „Wie eine Zecke“, das gleichzeitig eingängige und dunkle „Sternenmädchen“, das kontrastreiche „… und ich fühle nichts“ und der rundeste Song der CD „Nein!“. Diese vier Stücke haben wirklich Hitpotential und bestechen nicht nur musikalische, sondern auch lyrisch. Beim Rest des Albums allerdings tue ich mich leider sehr schwer. Lieder, wie „In deinem Kopf“ und „Atme mich“, greifen den dichten Soundtrackcharakter des Openers wieder auf, schaffen es meiner Ansicht nach aber nicht wirklich den Hörer gefangen zu nehmen. Zu unausgereift und zerhackstückelt erscheinen mir die Arrangements. „Lila Katzen“ ist stimmlich sehr aufgedreht, was als Stilmittel prinzipiell in Ordnung geht, allerdings nervt mich bereits am Anfang der Effekt auf den Vocals. Geschmackssache! „Fickmaschine“ und „Sex in Deutschland“ dagegen sind einfach nur unheimlich platt geraten, sowohl musikalisch als auch textlich belanglos und das auch noch ohne Pointe. Brauche ich persönlich nicht. Sorry.

Mein Gesamteindruck von dem Album ist sehr zwiespältig. Auf der einen Seite schätze ich die experimentelle Verbindung aus verschiedenen Elektrostilen mit Soundtrack- und Dark-Wave-Elementen, die die Grausamen Töchter auf ihren Alben präsentieren. Letztendlich ist es allerdings so, dass mich auf „Engel im Rausch“ das Songmaterial nicht gerade überzeugt. Die Stücke, die ich als positiv bereits hervorgehoben haben, machen für mich dieses Album aus, der Rest geht leider ziemlich an mir vorbei. Teilweise hatte ich auch das Gefühl, dass man an einigen Stellen einfach zu viel wollte, wodurch eine gewisse Geradlinigkeit, die bei der Direktheit der Texte zu erwarten wäre, einfach flöten geht.

Am Ende aber möge jeder selbst entscheiden, ob dieses Album den besungenen „Zauber der Nacht“ enthält. Für mich persönlich nicht, aber einige gute Songs konnte ich trotzdem mitnehmen. Bis zum nächsten Mal; bei dieser Formation weiß man eben nie, was man bekommt und vielleicht überzeugt mich die nächste Veröffentlichung ja wieder mehr.

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