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Gut Ding will Weile haben, sagt das Sprichwort. Der Mastermind hinter dem Pop-Projekt Slowtide Kevin Werdelmann hat sich diesen Spruch zu Herzen genommen und neun, vor über 15 Jahren in ihren Demoversionen veröffentlichte, Lieder für den vorliegenden Tonträger komplett überarbeitet und neu arrangiert. Der Schmetterling auf dem Cover mag sinnbildlich für diesen Prozess der Verwandlung stehen. Aus neun, mit schlichten Mitteln produzierten Liedern, wurden Tracks, denen allesamt eine angenehme, warme Dichte in den Arrangements, gemein ist.

Los geht es mit „Today“, in welchem flotte Beats mit angenehmen Synthesizerklängen und starkem Gesang zu einem ohrwurmtauglichen Synth-Pop-Stück verbunden wurden. Die darauffolgende Ballade „Soothing light“ beginnt mit einem verhaltenen Arrangement aus Piano, Stimme und leichtem Schlagwerk, bis am Ende orchestrale Elemente das Ruder übernehmen. Als herausragend sei hier übrigens die Gesangsmelodie genannt, die sofort durch das Ohr ins Herz geht. Nach dem ebenfalls ruhigen „The shape of things“ bietet sich dem Hörer die große Überraschung; Kevin Werdelmann kann auch Rock. Dreckige Gitarren (inklusive einem grandiosen 70er-Jahre-Solo) und scheppernde Drums bestimmen das Klangbild von „Get up you’re free“. Der Art der Produktion und der nach wie vor weichen Stimme ist es zu verdanken, dass dieser musikalische Rausreißer zwar auf-, jedoch nicht aus dem Gesamtbild des Albums herausfällt. Ein weiteres Beispiel für ein wirklich gelungenes Arrangement stellt „Safe“ dar, dessen von perlendem E-Gitarren-Spiel dominierten Strophen, von einem großen, sich deutlich abhebenden Refrain abgelöst werden. Für meinen Geschmack hätte die Stimme hier zwar auch gerne etwas mehr abheben und weniger zurückhaltend präsentiert werden können, jedoch trübt das den Eindruck nur minimal. Denn, wie auch die weiteren Songs zeigen, kann das Projekt Slowtide vor allem mit einem punkten: Werdelmann besitzt vor allem ein Händchen für wunderschöne Melodien.

Insgesamt hat Kevin Werdelmann es geschafft seinen alten Stücken einen Glanz zu verleihen, der seinesgleichen sucht. Die Arrangements sind weder überfrachtet, noch zu minimalistisch und kleiden die Kompositionen in das jeweils individuell passende Gewand, was zu einer gelungenen Verbindung verschiedener Einflüsse führt. Diesen musikalischen Schmetterling höre ich doch gerne durch die Wohnung schweben.

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