schön ist anders cover

Kammersänger Marcus Testory meldet sich mit einem neuen alten Projekt zu Wort. Ende der 1990er-Jahre existierte eine Band namens M.E.L.T., die allerdings lediglich ein Album veröffentlichte, um danach wieder in der Versenkung zu verschwinden. Nun allerdings haben sich (größtenteils) die damaligen Bandmitglieder wieder zusammengefunden und unter dem Namen Smeltz – eine gewisse Ähnlichkeit in der Benennung ist nicht zu leugnen 😉 – das vorliegende Album „Schön ist anders“ veröffentlicht – ein höchst selbstironischer und definitiv nicht auf die Musik zutreffender Titel.

Im Gegensatz zu Testorys verspieltem Hauptprojekt, dem Alternative-Orchester „Die Kammer“ präsentieren die Musiker dieser Kombo eine geradlinige Rock-Metal-Mischung mit einer gelungenen Verbindung aus bodenständiger Härte und angenehmer Eingängigkeit. E-Gitarren, treibendes Schlagzeug und prägnante Bassläufe bestimmen das Klangbild, genauso wie der kraftvolle Gesang des Frontmanns. Die, einerseits bissig-zynischen anderseits aber auch mal zurückhaltenden, melancholischen Texte singt der gebürtige Österreicher in seiner Muttersprache, was der Musik einen ganz eigenen Charme verleiht. Das würde ich von dem sonst englischsprachig performenden Testory gerne öfter hören. Meine persönlichen Favoriten sind das schwarz-humorige „Die gute alte Zeit“, der perfekt gewählte Rausschmeißer „Wildes Kind“ und „Der Kuss“. Letzteres erinnerte mich irgendwie an einen Song der Vorgängerband, was ich sofort überprüfen musste und tatsächlich: Das Stück scheint doch eine gewisse Verwandtschaft mit „Harrowed man“ von M.E.L.T. zu haben, gerade an der Stelle in der ersten Strophe an der Testory seine Stimme in die Höhe zieht fällt das auf. Sehr schöne Überraschung! 😉

„Schön ist anders“ überzeugt mich auf ganzer Linie mit toller Musik, intelligenten Texten und einer Stimme, die ich sowieso sehr mag, in einem anderen Bandkontext als gewohnt. Ich hoffe doch sehr auf eine Fortsetzung dieses Projekts, dessen Lieder sowohl zum Mitgehen als auch zum Zuhören und Nachdenken auffordern.

Advertisements